Kultur

05 | ZETT.LockTipp | Werther.live

Screenshot: werther-live.de

Veröffentlicht am 5. November, 2020 | 00:01


von Arne Bicker

Es wurde aber auch Zeit, dass Johann Wolfgang von Goethe online geht. Das Stück „Die Leiden des jungen Werther“, etwas zu früh bereits 1774 geschrieben, ist wie gemacht für unsere Zeit der sozialen Medien. Eine junge Theater-Crew setzt das nun rigoros um: Der Spaziergang im digitalen Wald lässt aufhorchen.

Abgefilmte Bühnen? Theatermonologe vor Webcams? Die Hilflosigkeit der Corona-Krise kann man auch vorwärts nutzen, indem man neue, zur Situation passende Formate kreiert. Digitales Theater ist eine solche neue Form des Erzählens, in der die digitalen Oberflächen aktiv in die Geschichten miteinbezogen werden – statt störendes Übel zu sein.

Lotte und Werther verlieben sich also auf „Ebay Kleinanzeigen“, sie skypen und chatten, und das live vor dem Theaterpublikum an Bildschirmen überall im Land. Das besondere daran: Das junge Ensemble um Regisseurin Cosmea Spelleken ist selbst während der Live-Vorstellung in halb Europa verteilt. Das Stück wurde von Anfang an konsequent – und keineswegs als Notlösung – für das Netz konzipiert. Das ist also waschechtes, digitales Theater.

„Ein Skype-Gespräch bei einem Glas Wein mit einer befreundeten Schauspielerin hat mich auf die Idee gebracht, wie man kreativer mit der momentanen Lage umgehen kann, als Schauspieler beim Karottenschneiden Sprechübungen vor Webcams machen zu lassen“, berichtet die in Freiburg aufgewachsene Cosmea Spelleken. Daher kennt sie auch den Freiburger Leonard Wölfl, der von hier aus in seiner Privatwohnung die Live-Vorstellungen technisch betreut.

Wie Spelleken lebt auch Koordinatorin Lotta Schweikert in Wien, Jonny Hoff (Werther) macht aus einer WG in Bochum mit, Klara Wördemann (Lotte) aus einer solchen in Wiesbaden und Florian Gerteis (Willi) wird aus einer WG in Augsburg zugeschaltet. Sie alle sind noch Studenten.

Die Darsteller wechseln während der Vorstellung innerhalb ihrer Wohnungen die Positionen und können theoretisch von überall aus spielen. Bei Proben wurden Schauspieler auch schon aus einem Hotel zugeschaltet. Spelleken: „Das funktioniert alles. Teilweise kennen wir uns auch nur über Zoom; die Darsteller haben noch nie im Echten Leben miteinander gesprochen – wie auch die Figuren des Stücks.“

Folgende Live-Vorstellungstermine sind geplant:
Do., 05.11. 20 Uhr: Premiere
So., 15.11. 19 Uhr: Vorstellung
Mo., 16.11. 20 Uhr: Vorstellung
Fr., 04.12. 20 Uhr: Vorstellung
So., 06.12. 20 Uhr: Dernière

Online-Tickets kosten 4 Euro. Und niemand muss die Katze im Sack kaufen – schon vorab kann man Werter, Lotte, Willi und Albert kontaktieren, indem man ihre Instagram-Profile besucht und eine Freundschaftsanfrage abschickt.

Glauben Sie nicht? Hier:

      

 

 

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