Kunst

19 | ZETT.LockTipp | Think big!

Künstlerin Katharina Grosse bei der Erstellung ihrer Arbeit „Asphalt and Hair“. Foto: ZDF / Claudia Müller

Veröffentlicht am 19. November, 2020 | 00:01


Die 1961 in Freiburg geborene Malerin Katharina Grosse ist in Bochum aufgewachsen und hat an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert. Die 3sat-TV-Dokumentation „Katharina Grosse – Think big!“ beleuchtet die Arbeit der Künstlerin, die alle Grenzen zu sprengen scheint: Katharina Grosse lässt sich nicht vom Format der Leinwand einengen und definiert die Rolle der Frau in der abstrakten Malerei neu. Die Dokumentation wird erst am 19. Dezember 2020 im linearen TV ausgestrahlt, ist aber schon jetzt in den Mediatheken von 3sat und ZDF zu sehen.

Katharina Grosse gehört nicht zu einer Generation unterschätzter Frauen, die lange im Schatten ihrer männlichen Kollegen standen. Sie wurde gefördert und hat davon profitiert, was die vorherige Generation feministischer Künstlerinnen bereits geleistet hat. Dennoch hat sie einen schwierigen Weg gewählt: die Malerei. Kein anderes Feld in der bildenden Kunst ist so sehr mit dem Geniegedanken verknüpft – und den „Malerfürsten“.

Bewaffnet mit Spraypistole und kräftigen Acrylfarben verwandelt sie Innen- und Außenräume in begehbare Farblandschaften. In begehbare Welten, in denen sie die Grenzen zwischen Zwei- und Dreidimensionalität sprengt und die Betrachter*innen auffordert, ihre Seh- und Denkgewohnheiten zu revidieren. So bezog sie bei ihrer Ausstellung „It Wasn’t Us“ im Museum Hamburger Bahnhof in Berlin 2020 den Außenbereich mit ein.

Katharina Grosses Werk liefert neue Ansätze und Perspektiven auf das, was Malerei sein kann: ein unbegrenztes Feld von Möglichkeiten. Sind das noch Gemälde oder ist das Vandalismus? Malerei kann infizieren und irritieren und unseren Blick auf die Welt in Frage stellen. Genau dort setzt ihre Kunst an. Ihre Werke sind ein Angriff auf unsere Wahrnehmung von Begrenzungen, die wir als gegeben hinnehmen. Ihre Bilder und Installationen haben eine visuelle Kraft, die sich aus dem Zusammenspiel von greller Farbigkeit und Hindernissen speist, die von der Bewegung ihrer Spraypistole einfach verschluckt werden.

Als roter Faden zieht sich die Einrichtung von Grosses Installation im Museum Hamburger Bahnhof in Berlin durch den Film, ergänzt durch Material, das bei der Entstehung von Projekten in den USA, Dänemark und Italien entstand – Arbeiten, die zum Teil zu großen Kontroversen und Anfeindungen aus der Bevölkerung geführt haben. Die Malerei von Katharina Grosse ist ein sinnlich visualisierter Denkprozess, der dazu auffordert, keine Vergleiche zu etwas schon mal Gesehenem anzustellen, sondern eigene Denkräume zu öffnen: Think Big! Größe ist kein Maßstab, sondern ein Anspruch, der sich durch ihr ganzes Werk zieht.

Grosse dazu: „Ich würde sagen, alles sind Bilder. Wir sind umgeben von Tausenden von Bildern, und das Gemalte ist eine Form davon.“ Und: „Ein Bild darf nichts Ruhiges, Kontemplatives für sich in einem speziellen Raum sein.“ Ihre Überlegungen gelten auch der Frage:  „Wie kann das Bild diese Vehemenz oder diese Rohheit bekommen, von der ich immer träumte. Ich dachte, ein Bild muss einem entgegenstehen. Das muss wirklich wie ins Gesicht ragen. […] Es muss einem auch irgendwie auf den Wecker gehen. Es muss auch eine Waffe sein, wie auch eine gewisse Form von Nervigkeit davon ausgehen. […] Durch eine physische Präsenz wollte ich diese Nervigkeit erzeugen.“

Künstlerin Katharina Grosse. Foto: ZDF / Claudia Müller.

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