Kunst

Freiburg Art Fair: 14 Stunden, 294 Werke, 1.360 Besucher

Kunstmacher (v.l.): Ausstellungsleiter Prof. Ben Hübsch, Messechef Daniel Strowitzki, Messeprokurist Thomas Arabin, Beirätin Dr. Juilia Galandi-Pascual. Foto: Arne Bicker

Veröffentlicht am 29. September, 2020 | 14:40


von Arne Bicker

Die neue Freiburger Kunstmesse FAF (Freiburg Art Fair) platzt wie eine Bombe in die Freiburger Kunstszene: 13 eingeladene Künstlerinnen und 36 Künstler aus Freiburg und Umgebung werden sich bald im Messeglanze sonnen – viele andere Künstler und nicht zugelassene Galerien schimpfen, meist hinter vorgehaltener Hand, wie die Rohrspatzen.

Kritische Stimmen zur Veröffentlichung erhielt das Kulturmagazin ZETT. trotz punktueller Nachfragen nicht. Fakt bleibt also: Fünf Freiburger Künstler um den Macromedia-Dozenten Ben Hübsch haben sich aus der Deckung getraut und veranstalten ehrenamtlich und gemeinsam mit der FWTM sowie mit 44 handverlesenen Kolleginnen und Kollegen am 9. und 10. Oktober 2020 die erste, wirklich große Freiburger Kunstmesse.

Obwohl die Veranstaltung in der weitläufigen Halle 1 der Freiburger Messe über die Bühne gehen soll, findet sich das Geschehen von vielen heimlichen Augen kritisch bis wohlwollend beäugt wie unter einem Brennglas.

„Wir wollen uns natürlich nicht mit der Art in Basel vergleichen“ erklärte Messechef Daniel Strowitzki etwa zehn Journalisten gleich zu Beginn einer Vorab-Informationsveranstaltung – wobei, schön wär’s schon, das schwang mit. Zunächst aber muss Strowitzki, wie andere Hebammen auch, die Geburtswehen abwarten und schauen, was im Jahr Null herauskommt.

15 junge Künstler sind im absehbar heterogenen Feld vertreten, von Paul Ahl über Vivian Khara, Hannah Kindler, Anna Schütten und Jens Stickel bis zu Nils Weiligmann – und darauf freut sich Beirätin Julia Galandi-Pascual besonders: „Ich bin sicher, dass auf einigen Bildern die Farbe noch feucht sein wird. Etliche Künstler haben auch ihre Corona-Erfahrungen mit Einsamkeit und Distanz verarbeitet – das wird spannend.“

Drei Bilder oder Werke darf jeder Künstler in der Halle präsentieren, nicht nebeneinander, sondern an unterschiedlichen Orten, drei weitere im Messelager vorhalten. „Die Künstler sollen zwischen ihren Werken herumlaufen, sich erklären, mit Gästen sprechen“, so Ben Hübsch. Anwesenheit ist Pflicht; einige eingeladene Künstlerinnen mussten deshalb absagen.

Was verkauft wird, darf sofort mitgenommen werden und wird durch Nachschub aus dem Lager ersetzt. Rote Punkte werden nicht an die Betonwände der Halle geklebt, an denen die zweidimensionalen Werke auf fahrbaren Messebühnenelementen lehnen sollen. Es gibt keine Nägel, keine Nylonfadenhängungen, keine Lichtspots. „Fabrikhallenatmosphäre“ nennt Hübsch dieses Aus-der-Not-eine-Tugend-machen.

Skulpturen und Plastiken ja, Videoinstallationen nein lautet ein anderes Credo der Messemacher. Besucherinnen und Besucher müssen vorab online ein Print-At-Home-Ticket erwerben, unter www.faf-freiburg.de sowie bei allen Reservix-Vorverkaufsstellen ist das für 10 / 5 Euro möglich. Etwa 400 Eintrittskarten waren bis Ende September verkauft.

In fünf Zeitspots dürfen jeweils 340 Besucher die Messe betreten. Nach der Preview am Freitag, 9. Oktober, von 16 bis 18 Uhr, folgt von 18.30 – 22 Uhr der längste Spot. Das eher allgemein interessierte Publikum dürfte sich dann am Samstag, 10. Oktober einfinden, in drei Zwei-Stunden-Spots zwischen 10 und 18.30 Uhr.

10 Prozent der Varkaufserlöse gehen anstelle einer Standgebühr an die Messe, 30 Prozent teilen alle 49 Künstler untereinander auf, so dass auch derjenige etwas erhält, der kein Werk verkauft. Eine Wand soll Arbeiten unter 500 Euro vorbehalten sein. Grundsätzlich gilt: Der übliche Verkaufspreis soll aufgerufen werden, verhandeln ist aber ausdrücklich erlaubt.

Etwa die Hälfte der Künstlerinnen habe keine Galerie-Vertretung, schätzt Galandi-Pascual. Die anderen werden wohl ihren Galerie-Vertrag erfüllen und ihre ständigen Vertreter am Gewinn beteiligen müssen oder dürfen, je nach Sichtweise. „Absagen sind im Kunstbetrieb nun mal Teil des Geschäfts“, so Ben Hübsch, aber nach dem „naturgemäß schmerzhaften Prozess“ der Künstlerauswahl kommt jetzt Butter bei die Fische: Was haben die auserwählten, professionellen Freiburger Künstlerinnen und Künstler zu bieten? Und wer kommt, wer kauft?

„Das wird auf jeden Fall keine Wald- und Wiesenmesse“, verspricht Julia Galandi-Pascual. Und Ben Hübsch betont: „Das Kunstinteresse in Freiburg hat Luft nach oben.“ Messechef Strowitzki hofft derweil „auf ein Happening“ und blickt schon mal über den Tellerrand: „Diese Messe ist nicht als Eintagsfliege ausgelegt.“

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