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Freiburger Musikvideo: „Bang Bang, alle 14 Minuten“

Spielzeug Feuerwaffe? Zweierpasch übt scharfe Kritik. Foto: khri8

Veröffentlicht am 22. Oktober, 2020 | 17:30


Hinterzimmerpolitik. Rüstungsexporte. Tödliche Geschäfte. Das prangern die Rapper von Zweierpasch in ihrem neuen Video an. Den Anti-Waffen-Song „Panzer Politik Poesie“ haben sie beklemmend in Szene gesetzt. Mit dramatischem Ende: Alle sieben Musiker sind tot.

Abgekämpft, gefesselt und blutverschmiert sitzen die Künstler in einer runtergerockten Tiefgarage irgendwo in Freiburg. Die Drums donnern wie ein Kugelhagel. Zu jedem Schlag brechen die HipHop-Künstler in sich zusammen. Nur ein junges Mädchen taucht noch auf, als es leise wird. Es greift sich die Tatwaffe und verschwindet.

Das Video „Panzer Politik Poesie“ der HipHop Band aus Freiburg und Straßburg prangert G36-Deals, Rüstungsindustrie und gefährliche Machtspiele an: „Großer Koffer, kleine Scheine, Hinterzimmer, keine Eile, Händeschütteln, gestern laut, heute leise“, rappen die Zwillinge Felix und Till Neumann. Sie nehmen auch die deutsche Politik ins Visier: „Export, Überschuss, Steuergelder, Bundestag, Rendite, Mindestlohn, Afghanistan, SPD, CDU, CSU, AfD, Streichholz, Benzin, Artillerie“.

Der Beat stampft dazu wie die schweren Maschinen einer Waffenfabrik. Bedrohlich drückt der verzerrte Bass in die Magengrube, das wimmernde Piano verkündet Unheil. Deutsche Waffenschmieden wie Heckler & Koch oder Rheinmetall bekommen dazu ihr Fett weg. Genau wie der amerikanische Präsident kurz vor der Wahl: „USA, Donald Trump, grüner Schein, roter Kopf, Kim Yong Un, Säbelrasseln, weiße Fahne, roter Knopf“, heißt es im Staccato-Substantiv-Hagel der preisgekrönten Polit-Poeten.

Auch die Rapper greifen zur Waffe: Sie stehen im Video mit schwarzem Kapuzenpulli ihren Alter Egos gegenüber und beobachten grimmig die Szenerie. Das böse Ich – der Grenzgänger? Selbst die fünf weiteren Bandmitglieder schlüpfen in zwielichtige Rollen: Gitarrist Stefan Harth, Drummer Moritz Ulrich, Bassist Michael Holland, Pianist Christian Haber und Saxofonist Valentin Matt mimen fragwürdige Gestalten, die schwarze Koffer gegen schwere Pistolen tauschen, fiese Verträge unterschreiben und schmutzige Deals einfädeln. Klar, dass das irgendwann eskalieren muss.

„Es macht bang bang, alle 14 Minuten“ heißt es im Refrain. Die Rapper beziehen sich dabei auf Schätzungen des RüstungsInformationsBüros (RIB e.V.), dass alle 14 Minuten in der Welt ein Mensch durch eine Kugel aus dem Lauf einer Waffe des baden-württembergischen Rüstungsexporteurs Heckler & Koch stirbt. Die Todessequenz des Einsatzes aller deutscher Kriegswaffen dürfte noch deutlich kürzer sein.

Den eindringlichen Appell für Frieden und Abrüstung hat die Waldkircher Kreativschmiede „khri8! more playgrounds“ in Zusammenarbeit mit „Rudeltier Filmproduktion“ eindrücklich in Szene gesetzt. Unter der Regie von Christian Bucher hat das Team in nächtlichen Sessions einen Kurzfilm im Gangster-Movie-Look geschaffen.

Als Partner haben sich Zweierpasch die Kampagne „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“, die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, pax christi und das RüstungsInformationsBüro mit dem GLOBAL NET – STOP THE ARMS TRADE ins Boot geholt. Auch Deutschlands renommiertester Rüstungsgegner Jürgen Grässlin aus Freiburg steht voll hinter dem Projekt: „Beeindruckend, düster und böse dieses neue Video von Zweierpasch gegen todbringende Rüstungsexporte – die Meister des Todes dürfen sich in Grund und Boden ärgern.“

Seit vielen Jahren setzt sich die Freiburger Band Zweierpasch um die rappenden Brüder Felix und Till Neumann mit ihrer Musik und Bildungsprojekten grenzüberschreitend für Frieden ein. Sie tourten durch Krisengebiete wie die Ukraine nach der Maidan-Revolution oder das terrorgeplagte Westafrika, sie spielten beim bundesweiten Anti-Waffen-Staffellauf „Frieden Geht“ und gehen 2021 mit Master Soumy aus Mali auf Freedom-Tournee durch Europa.

Am Samstag, 21. November 2020, ist ein Konzert im Freiburger Jazzhaus geplant.

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