Kolumne Zett.

WM-Kolumne: Auf geht’s Burschis!

Die Spiele haben begonnen und die Spannung steigt. Foto: Arne Bicker

Veröffentlicht am 15. Juni, 2018 | 08:51


WM-Kolumne Zett. / 15. Juni 2018

von Arne Bicker

Oh yes, es ist endlich losgegangen: Die Russen haben den Saudis gestern fünf Fabergé-Eier eingetütet; der arabische Fußballfrühling lässt also noch auf sich warten. Während jetzt die halbe Welt gespannt auf den Ölpreis schaut, haben die Spanier mal eben die Pipeline umgestöpselt und ihren Trainer Julen Lopetegui entlassen und durch Fernando Hierro ersetzt.

Die Worte des spanischen Verbandspräsidenten Luis Rubiales, zwei Tage vor dem heutigen Auftaktspiel gegen Portugal: „Wir suchen einen neuen Trainer – von jetzt an“ klingen geschichtsträchtig. Spanien ist damit über Nacht zum Top-Favoriten aufgestiegen. Mal ehrlich: Befreit von allen taktischen Zwängen und dem Trainer, der all das hat einüben lassen, können die Iberer nun locker aus der Hosentasche kicken – auch, wenn diese spanische Befreiungsbewegung heute Abend von El Hierro (auf Deutsch: Das Eisen) auf den Rasen des Fisht-Stadions in Sotschi durchgewunken wird. Vielleicht wird der Mann ja zum Herradura (Hufeisen)?

Vor dem Spiel Portugal – Spanien (20 Uhr) treffen um 17 Uhr in St. Petersburg Marokko und der Iran aufeinander. Marokko hat ungefähr zeitgleich zur Entlassung des spanischen Coaches schon vor dem ersten Anpfiff eine herbe Schlappe erlitten: Die WM 2026 wird trotz einer liebevollen Bewerbung der Nordwestafrikaner in Kanada, Mexiko und den USA stattfinden. Nach den in bester Tradition reichlich korruptionsumwitterten WM-Vergaben im Dezember 2010 an Russland und Katar ging diesmal alles mit rechten Dingen zu. Die USA haben niemanden bestochen. Ihr Präsident Donald Trump drohte lediglich allen Ländern, die erstmals in offener Abstimmung am Mittwoch dieser Woche beim Fifa-Kongress in Moskau gegen die USA votieren würden, mit einem Krieg. Einem Handelskrieg zwar nur, aber man weiß ja nie, wozu so was noch führen könnte.

Der zur Neutralität verpflichtete Fifa-Präsident Gianni Infantino hatte im März noch vergeblich versucht, die Marokkaner durch eine nachträgliche Anpassung der Bewerbungskriterien vor sich selbst zu schützen. Das war aus heutiger Sicht zum Glück nicht nötig gewesen. Das erste WM-Turnier der Geschichte mit 48 Mannschaften findet also 2026 auf dem nordamerikanischen Kontinent statt. Dass laut Trump Mitveranstalter Mexiko ein Volk der „Vergewaltiger“ und Kanadas Premier Justin Trudeau „sehr unehrlich und schwach“ sei, lässt sich ja bis dahin vielleicht durch die Power aus dem weißen Haus noch ändern.

Auch in Sachen Doping wird ab sofort beinhart durchgegriffen: Die Fifa hat es sich vorbehalten, die Dopingkontrollen bei der nun laufenden WM selbst vorzunehmen und nicht etwa einer neutralen Instanz zu überlassen. Das könnte also heißen, dass heute nach dem Spiel Marokko gegen Iran je ein Spieler in einen Becher pinkeln muss, der dann kritisch gegen das Licht gehalten wird. Wenn sich der marokkanische Becher nicht innerhalb von dreißig Sekunden zersetzt und der Inhalt des iranischen Bechers im Dunkeln nicht leuchtet, wird wohl alles ok sein.

Damit kommen wir noch zum Thema Naturdoping und zu der asbachuralten Frage, ob die WM-Kicker vor ihren Spielen Sex haben sollten oder besser nicht. „Spiegel Online“ bezog hierzu gestern eine klare Position. Das Medium zitiert den Wissenschaftler Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln mit den Worten: „Körperliche Aktivität beim Sex in der Nacht vor einem großen Spiel ist überhaupt kein Problem, wenn es nicht gerade eine wahnsinnige Orgie darstellt“. Gerade „Sex als Einschlafhilfe zu nutzen, ist okay.“ Ob der DFB daraufhin nur denjenigen Spielern einen Besuch der Ehefrauen erlaubt hat, die mindestens seit fünf Jahren verheiratet sind, wurde nicht erwähnt.

 

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