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Augenöffner: TV-Doku „The Cleaners“

"Delete. Ignore." - Die unappetitliche Arbeit eines Webcleaners in Manila. Foto: gebrueder beetz filmproduktion

Eine gute TV-Dokumentation kann manchmal förmlich Augen öffnen und Dinge erklären, von denen man zu wenig weiß, obwohl sie für unseren Alltag und unser Weltbild gleichermaßen wichtig sind. Zu dieser Kategorie zählt fraglos die Doku „The Cleaners – Im Schatten der Netzwelt“, die die ARD-Mediathek noch bis zum 23. Januar 2019 online abrufbar hält. „Zett.“ meint: Absolut sehenswert.

Soziale Medien beeinflussen das Weltgeschehen. Doch wer entscheidet, was die Welt zu sehen bekommt? Auf den Philippinen arbeiten zehntausende sogenannte „Content-Moderatoren“, die täglich Unmengen an Bildern und Videos sichten. Sie entfernen unerwünschtes Material, fällen wichtige Entscheidungen innerhalb weniger Sekunden. Ihre Arbeit grenzt an Zensur, die Kriterien sind kaum bekannt, und sie dürfen nicht darüber sprechen.

„The Cleaners“ zeigt uns eine Schattenindustrie digitaler Zensur in Manila, dem weltweit größten Outsourcing-Standort für „Content Moderation“. Dort löschen Laien in Zehn-Stunden-Schichten im Auftrag der großen Silicon Valley-Konzerne belastende Fotos und Videos von Facebook, YouTube, Twitter & Co.

Die Grausamkeit und die kontinuierliche Belastung dieser traumatisierenden Arbeit verändert die Wahrnehmung und Persönlichkeit der „Content Moderatoren“ genannten, digitalen Müllabfuhr. Parallel zu den Geschichten von fünf Content Moderatoren erzählt der Film von den globalen Auswirkungen der Online-Zensur und zeigt wie Fake News und Hass durch die Sozialen Netzwerke verbreitet und verstärkt werden – auf verheerende Weise auch im Bürgerkrieg in Myanmar.

Interviews mit hochrangigen, ehemalige Mitarbeiter der Sozialen Netzwerke und Ausschnitte aus Anhörungen des US-Senats geben Einblicke in Funktionsweisen und Mechanismen der Plattformen. Durch gezielte Verstärkung und Vervielfältigung von Einflussnahmen werden die Plattformen zu gefährlichen Brandbeschleunigern, die soziale, politische und gesellschaftliche Konflikte anheizen und eine Spaltung von Gesellschaften vorantreiben.

Die Regisseure Hans Block und Moritz Riesewieck erzählen in ihrem weltweit von zahlreichen Festivals und Medien hochgelobten Debütfilm vom Platzen des utopischen Traums der Sozialen Medien und stellen die drängende Frage nach den Grenzen des Einflusses von Facebook, YouTube, Twitter & Co auf uns und unsere Gesellschaften.

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