Kunst

Hilfe nach Sturz: Badisches Toupet

Venus mit Dachschaden

Veröffentlicht am 18. März, 2021 | 11:24


Amtshilfe unter Archäologen: Wie eine Liebesgöttin nicht mehr ganz dicht war und ein Restaurator zum Friseur wurde. Davon erzählt eine konservatorische Kooperation zwischen zwei Sammlungen beiderseits des Schwarzwalds. Von Jens-Arne Dickmann und Alexander Heinemann.

Nicht alle archäologischen Sammlungen an deutschen Universitäten sind gleichermaßen gut ausgestattet, im Gegenteil. Je nach eigener Geschichte, Tradition und Unterstützung durch die jeweilige Universitätsleitung kommt es mit Blick auf Räumlichkeiten, Personal, Finanzen und Ausstattung zu unterschiedlichen Lösungen. So fehlt es an einer Werkstatt, an entsprechendem Werkzeug oder einer/m Konservator/in, es fehlen ausreichend große Magazinräume oder -schränke, Vitrinen, Beleuchtungsgerät, Transportkisten für den Verleih von Abgüssen oder ein Kettenzug für das Anheben und Positionieren der Skulpturen auf ihren Sockeln.

Als Kustodin oder Kurator arbeitet man nicht selten von der Hand in den Mund, und viele Arbeiten sind nur mit fremder Hilfe zu bewerkstelligen. Das kann hinderlich sein, weil es Zeit und Ausdauer verlangt, kann aber auch beflügeln, weil man nur mit Phantasie weiterkommt und manchen Kompromiss als einstweilig gute Lösung schätzen lernt. Allen Unkenrufen über das schlechte Verhältnis zwischen Badenern und Schwaben zum Trotz liefert der folgende Fall ein Beispiel für die unkomplizierte und erfolgreiche Zusammenarbeit der Sammlungen in Freiburg und Tübingen.

Vor knapp zwei Jahren erhielt die Freiburger Sammlung eine Anfrage vom Schloss in Hohentübingen. Eine der Hofdamen war gefallen und hatte sich am Kopf verletzt, ein veritabler Schädelbasisbruch. Außerdem hatte sich die Schöne ihre Frisur zerstört und nicht mehr alle Locken am Kopf. Die Behandlung, das war schnell klar, erforderte das Eingreifen der Freiburger Zwillingsschwester; die musste ihren Kopf hinhalten. Oder anders: Von der Statue der sog. Venus Medici – eine der vielen späthellenistischen Variationen auf das Thema der nackten Aphrodite – existierte auch in Freiburg ein Abguss, mit dessen Hilfe der Schaden repariert werden sollte.

Von einem Teil der Kopfoberfläche der intakten Freiburger Figur musste eine Form genommen werden, aus der in einem weiteren Arbeitsschritt dann jener Teil der Frisur zu ziehen war, der dem lädierten Haupt in Tübingen eingepasst werden konnte. Mit dem Tübinger Archäologen Sönmez Alemdar, selbst Restaurator an der dortigen Antikensammlung der Universität, stand ein erfahrener und sehr umsichtiger Konservator zur Verfügung, dem diese Arbeiten anvertraut werden konnten.

… jetzt saust es durch drei Sammlungen, das rollpodest, und nimmt Sie gerne auf und mit: https://rollpodest.hypotheses.org.

 

 

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