Kunst

Die neue Kunstmesse: Auftakt geglückt

Die Freiburger Küstlerin Elisabeth Bereznicki verkaufte zwei Bilder bei der neuen Kunstmesse FAF. Foto: Arne Bicker

Veröffentlicht am 11. Oktober, 2020 | 16:36


Am Ende hat die Premiere der neuen Freiburger Kunstmesse „FAF“ (Freiburg Art Fair) mit 50 Künstlern 66.000 Euro umgesetzt. Zehn Prozent gingen anstelle einer Standmiete an die FWTM; 30 Prozent landeten in einem Solidartopf, aus dem jeder teilnehmende Künstler einen gleichen Anteil, also fast 400 Euro erhielt.

Doch die neue Freiburger Kunstmesse hatte, wie sich zeigte, weit mehr zu bieten, als diese bescheidenen, nackten Zahlen. „Ich habe dieses Projekt als grandios empfunden“, berichtete die Freiburger Künstlerin Elisabeth Bereznicki am Tag danach. Zwei Bilder hatte sie im Rahmen der Messe verkauft, eins davon buchstäblich in letzter Minute. „Doch das war für mich wirklich nicht das wichtigste – wichtig waren die Solidarität unter den Künstlern und die gute Atmosphäre. Und das allerwichtigste: Es war so belebend!“

Tatsächlich hat die „FAF“ eine frische Duftmarke mitten hinein in die oftmals bräsige Freiburger Kunstszene gesetzt. Eine weite, offene Messehalle ohne kleinteilige Stellwände oder gar Staffeleien – dieses Konzept ging sehr gut auf. Und es kam der Atmosphäre zugute, die zahllose, sichtlich angeregte Gespräche in der lichten Offenheit des Raumes ermöglichte, während die Besucher das Geschehen einerseits stets im Blick hatten, andererseits zugleich Teil davon waren.

„Ich war positiv überrascht, wie gut das organisiert war und funktioniert hat“, fasste der Freiburger Fotokünstler Piotr Iwicki am Sonntag zusammen. Er hatte ein großformatiges Bild für mehrere tausend Euro an den Kunstsammler gebracht. „Das Beste war, dass alle miteinander geredet haben“, so Iwicki. „Die üblichen gezischelten Kommentare von Künstlerkollegen, dass diese oder jener ja gar nicht malen könne, habe ich diesmal nicht gehört. Stattdessen saßen wir alle nach dem Abbau noch bis gut 23 Uhr bei Sekt und Bretzeln in der Halle.“

„Es war eben auch ein gutes und glücklich machendes Gefühl, das alle für alle einen Beitrag leisten konnten“, sagte Elisbath Bereznicki, die „das neuartige Messesystem“ für gut befand, sich aber mehr Platz zur Präsentation wünschte. Und Piotr Iwicki meinte: „Das mit den in Brusthöhe an die Wand gelehnten Bildern ist noch ausbaufähig. Aber diese echte Community ohne Neid und Missgunst war ein extrem positives Erlebnis für mich.“

Die FAF hat also den leeren Messefleck Freiburg zwischen Art Karlsruhe und Art Basel belebt und jene Fettnäpfe umgangen, sich auch noch „Art Freiburg“ zu nennen oder sich in kleinteilige Provinzialität zu zerfasern. Das Solidarsystem und die eigentlich nur einer Corona-bedingten Aufwandreduzierung geschuldete Nutzung einer fast nackten Messehalle erwies sich als großer Gewinn: Die dadurch entstandene, sehr offene Atmosphäre kam ausgesprochen gut an.

Für die bereits fest eingeplante, kommende Ausgabe 2021 wäre die Mitnutzung der benachbarten Messehalle für dann eine doppelte Zahl an Künstlern zu wünschen, eine wie auch immer freischwebende Platzierung der flachen Ware, ein wenig mehr Skulpturenvielfalt im Feld, sowie auch großflächigere Arbeiten wie zum Beispiel aus der Face-To-Face-Serie des Merzhauser Malers Gela Samsonidse für die noch zu leer erscheinenden Hallenwände könnten Ausbauoptionen sein.

Aber der Anfang ist gemacht und trotz Corona- und Aufwandbeschränkungen überraschend gut gelungen. Das ist mehr als von etlichen Kritikern erwartet worden war. Auf die Fortsetzung im kommenden Jahr darf man nun zu Recht gespannt sein.

Hier unsere Fotogalerie.

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