Kultur

Ein Traum-Heimspiel

Ganz schön Stimmung in der Bude. Foto: Jennifer Reyes

Veröffentlicht am 27. Oktober, 2018 | 09:15


von Jennifer Reyes

Wenn die Straßensperren an der Schwarzwaldstraße stehen, riesige Fanbusse eng Schnauze an Hinterteil am Straßenrand parken, Pferdeäpfel von Berittenen den Fußweg säumen und aus dem Biergarten des PTSV Jahn der Schlagerohrwurm ‚Herzbeben’ von Helene Fischer dröhnt, dann ist Heimspieltag beim SC Freiburg. Am neunten Spieltag der Bundesliga begrüßen die Dreisamtäler am Freitagabend im Schwarzwaldstadion bei grellem Flutlicht die Fohlen-Elf aus Mönchengladbach.

Die Fanblocks sind besetzt und die Synthesia Ultras schwenken vor Spielbeginn bereits fleißig ihre rot-weißen Fahnen und heizen gemeinsam mit dem Stadionmoderator die Menschenmassen auf den Tribünen an. Das Schwarzwaldstadion ist ausverkauft. Zieht man die Gladbach-Fans ab, stimmen beinahe 24.000 Stimmen in die Fanhymne ‚SC Freiburg vor‘ von Fisherman’s Fall ein: „Bei uns da geht kein Ball ins Aus, denn unser Antrieb heißt Applaus“.

Dann kommt der Spielanpfiff, und ob man es glauben will oder nicht: Der erste mutige Angriff des Sportclubs endet mit einem Foul und einem Elfmeter für den SC, den Nils Petersen ohne zu zögern in das 1:0 verwandelt. Die Führung in der ersten Spielminute. Unfassbar! Das Publikum jubelt. Es ist wie im Traum. Alles geht so schnell, und genauso kommt leider dann auch das 1:1 in der 20. Spielminute durch einen Elfmeter für Gladbach zustande, die nach dem ersten Tor für Freiburg ununterbrochen deren Strafraum unter Beschuss nehmen.

Nach dem Ausgleich übernimmt Mönchengladbach erstmal die Kontrolle über das Spiel, während der Sportclub sich zunächst ratlos wirkend auf der eigenen Feldhälfte die Bälle zu schiebt und es nur mit Mühe schafft Pässe nach vorne zu bekommen. Doch für jede gute Aktion der Schwarzwald-Elf gibt es von der Tribüne Aufmunterung-Applaus. Neben einer gelben Karte für Kapitän Mike Frantz und einer guten Torchance von Lukas Kübler nach einer Ecke in der 43. Spielminute, passiert in der ersten Hälfte dieses Flutlicht-Spiels nicht mehr viel. Es bleibt beim 1:1 in der ersten Halbzeit und das laute Werbe-‚Muuuuh‘ von Schwarzwaldmilch-Kühen läutet die Halbzeitpause ein.

Überraschende Auswechslung dann zur zweiten Halbzeit. Gladbach kommt ohne Vorzeigestürmer Alassane Plea auf den Rasen zurück. Gut für den Sportclub, der in den ersten Minuten nach der Pausenglocke zur zweiten Hälfte immer noch etwas schwerfällig. Den Weg zurück ins Spiel sucht. Hat da jemand etwa die Snooze-Taste gedrückt? Dann der Knaller in der 56. Minute: Luca Waldschmidt zieht nach vorne, bekommt den Ball von Janik Haberer, und der 22-Jährige Stürmer verwandelt zum 2:1 für den SC Freiburg.

Alle sind wieder aufgeputscht. Der Stadionsprecher scheint gar nicht mehr aufhören zu wollen ‚Luca‘ ins Mikrofon zu brüllen und bekommt von einem im Jubelfieber taumelnden Publikum im Chor dessen Nachnamen ‚Waldschmidt‘ zurückgebrüllt. Die Stimmung ist überragend.

Die letzten zehn Minuten des Spiels beginnen überraschend schnell. Die Füchse machen ihren Bau dicht. Der eingewechselte Roland Sallai sucht das Tor. Zwei gute Chancen hat er. Freiburg muss die restliche Zeit absitzen und Streich tut sein Bestes und wechselt Spieler aus. Stehender Beifall brandet auf, als Luca Waldschmidt kurz vor Schluss den Platz verlässt. Für ihn erscheint Lucas Höhler in der 88. Minute auf der Spielfläche; er bringt in den letzten Sekunden der dreiminütigen Nachspielzeit mit einem Treffer den Sieg für die Freiburger in trockene Tücher. Direkt nach dem Tor wird das Spiel abgepfiffen.

Der Freiburger 3:1-Sieg begann wie im Traum und endete so. Also Psst! Lassen wir die Bobbele einfach weiter träumen, dann ziehen sie den Bayern vielleicht schon nächste Woche die Lederhosen aus. Egal wie. Hauptsache traumhaft.

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