Kultur

Hinter den SC-Kulissen

Die Ruhe vor dem Sturm ... der Worte. Foto: Jennifer Reyes

Veröffentlicht am 25. Oktober, 2018 | 16:15


von Jennifer Reyes

Donnerstagmittag. Eine Vorschau-Pressekonferenz im Schwarzwaldstadion mit Christian Streich, moderiert von SC-Pressesprecher Sascha Glunk, steht auf dem Plan – es geht um das Heimspiel des SC Freiburg gegen Borussia Mönchengladbach am Freitagabend.

In dem erstaunlich kleinen Presseraum des Stadions tummeln sich über badenFM, Radio Regenbogen, Badische Zeitung oder SWR alle möglichen Journalisten aus der Freiburger Sport- und Medienwelt, die jeden kleinsten Schritt des beliebten Sportclubs mitverfolgen. Die letzten Häppchen werden verdrückt und nochmal ein Schluck Wasser hinterhergekippt; dann nehmen die Journalisten Platz.

Die Kameras sind ausgerichtet auf die zwei noch leeren Plätze mit den Mikrofonen vor der bunten Sponsorenwand, vor der auch genug Schwarzwaldmilch-Packungen platziert sind, um eine ganze Säuglingsstadion auf Anhieb versorgen zu können. Man unterhält sich und wartet. Auf einmal übertönt eine laute Stimme alle anderen Nebengeräusche und ein mit den Armen in der Luft fuchtelnder Christian Streich platzt in die Szenerie. Der Trainer ist da.

„Isch hier irgendwas? In letzter Zeit waren nicht so viele da. Habt ihr Urlaub g‘habt?“ Breit badisch und sehr direkt. Der Mann ist einem irgendwie auf Anhieb sympathisch. Die roten Knöpfe an den Kameras blinken, und die Anzeigen der Sprachaufnahmegeräte rattern die Sekunden auf.  Pressesprecher Glunk grüßt in die Runde, und die erste Frage lässt nicht lange auf sich warten: „Haben Sie denn die Qual der Wahl?“

Streich scheint zu wissen, worauf der fragende Journalist anspielt und antwortet mit einem schlichten ‚Ja‘. Einige Spieler wie Jerôme Gondorf, Florian Kath oder Chima Okoroji sind verletzt. Doch kurz auf den Punkt gebracht sind wieder genug Spieler einsatzbereit. Das ist doch schon mal beruhigend.

Einen ruhigen Eindruck macht auch Streich selbst. Die hellblauen Augen sind wach und suchen Augenkontakt. Er antwortet ausgiebig und mit Ausblick auf eine ‚Englische Woche‘. „Alles ist im Kopf“, sagt Streich. Drei Spiele in neun Tagen. Nach dem Heimspiel gegen Gladbach geht es weiter zum Pokalspiel nach Kiel und dann direkt weiter nach München. Das wird anstrengend. Doch Streich ist zuversichtlich: „Wir sind fit.“

Gegner Gladbach ist auch fit und belegt momentan Platz Zwei in der Bundesliga. Erst am vorletzten Spieltag heimsten die Gladbacher einen 3:0-Sieg gegen Bayern München ein, danach gar ein 4:0 gegen Mainz. Führt man sich die Statistik zu Gemüte, so kann für Freiburg dennoch nicht viel schiefgehen: 15 von 16 Heimspielen gewannen die Freiburger Bobbele gegen die Gäste aus dem Rheinland.

Streich kennt die Vorzüge der Spieler von Gladbach. Es fällt ein Lob an den ehemaligen SC-Spieler Matthias Ginter: „Er wird immer besser.“ Als Trainer-Orakel bezeichnet Streich Mönchengladbach als Spitzenmannschaft, die genau das in dieser Saison auch bleiben werde.  Als bodenständiger Typ ohne Starallüren vertraut Streich auch mehr auf sein Gefühl und seine Erfahrung und weniger auf Push-Meldungen, die auch auf seinem Handy landen, wie er halb im Scherz und sehr bildhaft erläutert. Die stören ihn nur.

Am Freitagabend bei frösteliger Herbstluft und mit Flutlicht-Flair wird sich im Schwarzwaldstadion zeigen, ob man nur wegen der fallenden Temperaturen zittern muss oder ob Christian Streichs Taktik aufgehen und für Rage auf dem Rasen und auf der Tribüne sorgen wird. Eines ist für Streich allerdings schon vorab klar: „Wir werden es Gladbach richtig schwer machen. Wir werden mutig spielen.“ Die Ruhe vor dem Sturm, die hat er inne. Keine Anzeichen von Platzangst im winzigen Presseraum zwischen Kabelgewirr und lauter Stierlinsen von Handys und Kameras.

Nach dreißig Minuten fleißigem Frage-Antwort-Spiel gibt es zur Belohnung erst einmal eine Zigarette. Und ein Bild mit mir.

PS.: Ein Bericht von dem Spiel Freiburg – Mönchengladbach folgt hier auf Zett.-Online.

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