Kultur

18.6.2018: Interview mit Ulrich von Kirchbach

Freiburgs Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach. Foto: Arne Bicker

Veröffentlicht am 19. Juni, 2018 | 14:17


von Arne Bicker

Der gebürtige Degginger und SPD-Mann Ulrich von Kirchbach (62) ist seit 2002 Bürgermeister für Kultur, Integration, Soziales und Senioren im Dezernat III der Stadt Freiburg. Am Montag, 18. Juni 2018, verabschiedete er den Freiburger Kulturamtsleiter Achim Könneke, der als Kulturreferent nach Würzburg wechselt, und beantwortete dem Kulturmagazin Zett. einige Fragen.

Zett.: Herr von Kirchbach, wann werden Sie eine Nachfolge für die Kulturamtsleitung präsentieren und wie viele Bewerbungen gibt es?

Von Kirchbach: Wir haben ein ausgesprochen gutes, wenn nicht gar herausragendes Bewerberfeld mit über hundert Bewerbungen, von denen fünfzig die K.O.-Kriterien erfüllen. Wir werden in den nächsten Tagen Telefoninterviews mit einigen Bewerberinnen und Bewerbern führen und dann ungefähr sechs bis acht Kandidatinnen und Kandidaten zu einem verwaltungsinternen Vorstellungsgespräch einladen. Dann wird die gemeinderätliche Auswahlkommission tagen und eine Empfehlung für den Gemeinderat treffen. Ende Juli haben wir dann in der letzten Sitzung vor der Sommerpause hoffentlich eine Entscheidung.

Zett.: Gibt es auch aussichtsreiche Bewerbungen aus den eigenen Reihen der Stadt?

Von Kirchbach: Dazu will ich mich nicht äußern, damit es keine Spekulationen gibt. Wir betrachten jede Bewerberin und jeden Bewerber so, als käme sie oder er von außen.

Zett.: In welche Richtung soll den das 2006 aufgelegte ‚Kulturkonzept Freiburg‘ fortgeführt werden?

Von Kirchbach: Wir wollen jetzt wieder einen Schnitt machen und ein neues Kulturkonzept erarbeiten; diese Fortschreibung steht bei mir ganz oben auf der Agenda. Das können wir aber erst machen, wenn die neue Amtsleitung da ist. Wir können das Rad nicht vollkommen neu erfinden, aber wir müssen neue Schwerpunkte setzen. Da geht es unter anderem um Inter- und Subkultur, um die Frage der Räumlichkeiten für Begegnung und Kultur und um neue Ideen und Impulse, die sich entwickeln und denen Raum gegeben werden muss. Man kann nicht nur Bestehendes weiterfördern, so wichtig das auch sein mag.

Zett.: Der scheidende Amtsleiter Könneke hat in seiner Abschiedsrede betont, das seine Mitarbeiter am Anschlag arbeiten würden. Ich habe den Eindruck, die Zahl der Kulturveranstaltungen speziell im Freiburger Sommer ist so hoch wie noch nie…

Von Kirchbach: Von der Stadtteilkultur bis zur Interkultur sind zuletzt viele neue Handlungsfelder hinzugekommen, die mit dem bestehenden Personal gemanagt wurden. Insofern ist das personelle Korsett sehr eng, und wir müssen schauen, wie es mit den personellen Ressourcen weitergeht. Tendenziell denke ich auch, dass es mehr geworden ist, in den vergangenen zehn Jahre sogar ein deutliches Mehr. Es wird aber auch von den Medien mehr wahrgenommen und berichtet.

Zett.: Eine neue Veranstaltung ist das multikulturelle Stattfest am 30. Juni auf dem Platz der alten Synagoge, parallel zum Oberlindenhock. Wie kam es dazu, und welche Kosten trägt die Stadt?

Von Kirchbach: Dieses Fest von 14 bis 23 Uhr ist mir sehr wichtig. Wir hatten längst schon gesagt, dass die traditionelle Veranstaltung von Südwind einen neuen Ort braucht. Wir wollen das jetzt alternierend machen, alle zwei Jahre als Stattfest und dazwischen als das bekannte Südwindfest in der Faulerstraße. Die neue Präsenz in der Innenstadt ist aber wichtig, gerade auch für den Migrantenbeirat und die Migrantenvereine. Das Programm ist gut, auch mit einigen professionellen band – das wird viele Leute anziehen. Finanziell sind von Seiten der Stadt 15.000 Euro mit drin.

Zett.: Zuletzt war diese neue Fläche zwischen Theater und KGII auch ein Spielort des Freiburg-stimmt-ein-Festivals – ist der Platz der alten Synagoge generell auch ein neuer Veranstaltungsort für die Stadt?

Von Kirchbach: Auf jeden Fall. Insgesamt sind hier von April bis Oktober elf Veranstaltungen eingeplant. Wir hatten ja schon den Tag der Inklusion und wollten zu Ferienbeginn das philharmonische Orchester dort spielen lassen, was aber leider aufgrund der Prüfungstermine der Uni nicht möglich war. Aber trotz bekannter Restriktionen, auch hinsichtlich der Wasserfläche auf dem Grundriss der Synagoge, ist dieser neue Mittelpunkt der Stadt wichtig für kulturelle Veranstaltungen unter freiem Himmel. Wenn jetzt noch die Straßenbahnlinie kommt, dann wären ja vom Pferd getreten, wenn wir diesen schönen Platz nicht nutzen würden.

Zett.: Sie bezeichnen Freiburg als eine Musikstadt. Ich habe das Gefühl, viele Konzerte werden rein quantitativ immer lauter, und dann werden Ohrstöpsel verteilt. Gilt das Motto mehr ist mehr? Oder werde ich einfach nur älter?

Von Kirchbach: Das hängt natürlich auch von der Musikrichtung ab. Man muss das richtig austarieren, weil eine Dezibelsteigerung nicht immer mit einer qualitativen Steigerung einhergeht. Man muss nicht immer alle Boxen voll aufdrehen sondern das richtige Maß finden.

Zett.: Zuletzt noch – erwarten Sie vom Stadtjubiläum 2020 neue Impulse für die Kultur in der Stadt?

Von Kirchbach: Ja. Wir wollten hier von Anfang an eine breite Beteiligung der Bevölkerung, der Stadtteile, der Kulturinstitutionen und viele Kooperationsprojekte. Beim Stadtfest werden neben der zentralen Veranstaltung im Sommer auf mehreren Plätzen mit mehreren Bühnen das ganze Jahr über sicher auch andere Themen wichtig sein wie Sport oder Nachhaltigkeit. Aber was die Bevölkerung unmittelbar erleben wird hängt vielfach auch mit Kultur zusammen. Ich glaube, wir können uns alle darauf freuen, und sicher wird auch das eine oder andere Jubiläumsprojekt weiter fortgeführt.

Zett.-Info-Service:
Veranstaltungen auf dem Platz der Alten Synagoge im laufenden Jahr 2018
Samstag, 28.04.2018: Tag der Demokratie
Samstag, 05.05.2018: Aktionstag Inklusion
Dienstag, 15.05.2018: Inklusives Familienfest
Samstag, 09.06.2018: Aktionstag Nachhaltigkeit
Sonntag, 10.06.2018: Freiburg stimmt ein
Samstag, 30.06.2018: Interkulturelles Stattfest
Samstag, 07.07.2018: Tag der Musik
Samstag, 21.07.2018 und 28.07.2018: ZMF-Stadtaktion
Samstag, 15.09.2018: Tag des Handwerks
Samstag, 29.09.2018: KAZ – Katastrophen- und Zivilschutz
Freitag, 05.10.2018: SanierungsMobil

 

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