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TV-Doku: Kinderfotos im Netz

Unbedarftes Posieren auf dem Kinderbett, Posten bei Instagram - mit bösen Folgen. Foto: BR / Peter Janssen / Spiegel TV

Kinder und Jugendliche sind im Internet immer häufiger Opfer sexualisierter Gewalt, ohne dass Politik und Industrie etwas dagegen unternehmen. Die TV-Dokumentation „Kinderfotos im Netz: gepostet, geklaut, missbraucht“ aus der ARD-Doku-Reihe „Die Story im Ersten“ durchleuchtet das perfide System des Foto-Diebstahls und zeigt, wie schutzlos Kinder im Netz Beute von Pädophilen werden. Die Doku ist kostenfrei online in der ARD-Mediathek abrufbar.

Unbedarft gepostete Alltagsbilder bei Instagram landen unbeobachtet in Fotoblogs von Männern, die sexuelle Fantasien mit Kindern haben und werden dort abscheulich kommentiert. Und: In den Chats beliebter Online-Spiele wie „Clash of Clans“ bahnen Erwachsene ungehindert sexuelle Kontakte mit Zehnjährigen an.

Gesetzliche Regelungen, die für mehr Schutz sorgen könnten, stammen aus dem Jahr 2003 und sind „der tatsächlichen Entwicklung Jahrzehnte hinterher“, so der Missbrauchsbeauftrage der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, der zudem festhält: „Kinder- und Jugendschutz findet derzeit im Internet nicht statt.“

Autor Sebastian Bellwinkel zeigt in seiner 45-minütigen Bestandsaufnahme einen ernüchternden Befund. Nach einer Studie der Universität Regensburg geben rund 730.000 Erwachsene zu, sexuelle Onlinekontakte zu Kindern unter 14 Jahren zu haben. „Rechnet man konservativ mit zwei bis fünf Kontakten pro Täter, reden wir über weit mehr als drei Millionen betroffene Kinder und Jugendliche, sagt die Psychologin Julia von Weiler vom Verein „Innocence in Danger.“

Die Dokumentation macht deutlich, dass insbesondere Eltern genauer hinschauen und verstehen müssen, wo ihre Kinder im Internet unterwegs sind und wer ihnen dort begegnen kann. Doch oft fehlt Eltern die Medienkompetenz. Eine fatale Entwicklung, wie Experten warnen. Stattdessen posten viele Eltern selbst Fotos ihrer Kinder in sozialen Medien und bieten pädosexuellen Tätern so ungewollt Gratis-Bildernachschub.

Die Dokumentation befasst sich auch mit „Cybergrooming“, der Anbahnung sexueller Online-Kontakte von Erwachsenen mit Kindern, zum Beispiel in Online-Spiele-Chats. Der Missbrauchsbeauftragte Rörig sagt: „Es ist ein Riesenproblem und es ist ein völlig unterschätztes Problem.“ Die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD hat im Koalitionsvertrag zwar angekündigt, pädokriminelle Täter, die im Netz aktiv sind, konsequent zu verfolgen. Doch getan wird dafür bislang nichts. Verantwortliche Ministerinnen wie Katharina Barley (Justiz) und Dorothee Bär (Digitalisierung) verweigerten Interviews für die Dokumentation.

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