Kultur

„Klimahysterie“ ist Unwort des Jahres 2019

Klimahysterie als Gruppenbild. Foto: Unwort-Bilder, 2020.

Veröffentlicht am 15. Januar, 2020 | 15:58


„Klimahysterie“ ist das ‚Unwort des Jahres 2019‘ – das gab das Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft an der Technischen Universität Darmstadt heute bekannt. Mit dem Wort „Klimahysterie“ werden Klimaschutzbemühungen und die Klima-schutzbewegung diffamiert und wichtige Debatten zum Klimaschutz diskreditiert, so die Jury.

Der Ausdruck pathologisiere pauschal das zunehmende Engagement für den Klimaschutz als eine Art kollektiver Psychose. Vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Klimawandel sei das Wort zudem irreführend und stütze in unverantwortlicher Weise wissenschaftsfeindliche Tendenzen.

Weitere ‚Unwörter im Jahr 2019‘ seien der Ausdruck „Umvolkung“ als Schlüsselbegriff einer rechtsextremen Verschwörungstheorie, die behauptet, es gebe einen geheimen Plan, die weiße Mehrheitsbevölkerung zum Beispiel in Europa durch vornehmlich muslimische Flüchtlinge und andere nicht-weiße Einwanderer auszutauschen.

Auch der Begriff „Ethikmauer“ wird als Unwort in den Focus gerückt; er stehe „(wie z.B. auch „Moralkeule“) exemplarisch für Ausdrücke, die jede moralisch-ethische Argumentation als ein Zeichen naiver Fortschrittsverweigerung diskreditieren“.

Die Jury erreichten 2019 insgesamt 671 Einsendungen. Darunter waren 397 verschiedene Ausdrücke, von denen knapp 50 den Unwort-Kriterien der Jury entsprachen. Zu den häufigsten Einsendungen zählen „Verschissmus“, „Deals“, „Umweltsau“, „Alte weiße Männer“, „Verschmutzungsrechte“, „Klimaleugner“, „LKW-Vorfall“ und „Flugscham“.

Die Jury der institutionell unabhängigen und ehrenamtlichen Aktion ‚Unwort des Jahres‘ besteht aus folgenden Mitgliedern: den vier SprachwissenschaftlerInnen Prof. Dr. Nina Janich/Sprecherin (TU Darmstadt), Prof. Dr. Kersten Sven Roth (Universität Magdeburg), Prof. Dr. Jürgen Schiewe (Universität Greifswald) und Prof. Dr. Martin Wengeler (Universität Trier) sowie dem Autor und freien Journalisten Stephan Hebel. Als jährlich wechselndes Mitglied war in diesem Jahr auch der Kabarettist Urban Priol beteiligt.

Parallel startet nun auch eine Fotoausstellung zum Unwort des Jahres „Klimahysterie“, welches von ausgewählten Darmstädter Fotografen in ideenreiche Visualisierungen übersetzt werden soll. Die Ausstellung wird vom 19. bis 29. März 2020 im Kunstforum der TU Darmstadt zu sehen sein. Das Foto oben zeigt von links Stefan Daub, Sebastian Reimold, Jens Mangelsen, Julia Essl, Andreas Zierhut, Jan Nouki Ehlers, Jens Steingässer, Rahel Welsen und Albrecht Haag. Foto: Unwort-Bilder, 2020.

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