Satire

War was? Der satirische Wochenrückblick am 15.8.2020

War was? Die Zett.-Redaktion präsentiert Nachrichten der zurückliegenden Woche. Foto: AB

Veröffentlicht am 15. August, 2020 | 05:42


von Tom Teuffel

War was? Die ZETT.-Redaktion hat die Medienlandschaft der letzten Woche bereist bereist und kommentiert [direkt verlinkte] Nachrichten im Überblick.

 

Notebookschwemme

Man muss sich diesen Satz mal auf der Zunge zergehen lassen: „Die Corona-Pandemie hatte gezeigt, dass es im Bereich Schule und Digitalisierung noch große Defizite gibt.“ Das durfte die „dpa“ ungestraft unter anderem in der „SZ“ am Freitag behaupten. Vor der Krise war soweit also noch alles OK, aber jetzt, da der Smog in den Großstädten wieder einsetzt, ist die Übermittlung der Hausaufgaben per Flaggenalphabet und Rauchzeichen nicht mehr zeitgemäß.

Demnach sollen Lehrer bald neben ihren eigenen für hunderte Millionen Euro auch Dienst-Notebooks erhalten, die sie dann ihren Schülern zeigen können. Diese wiederum sollen für maximal zehn Euro pro Monat einen Internetzugang daheim erhalten, damit der Papa endlich Pornos schauen kann, und Schulen sollen “zügig an schnelles Internet“ angeschlossen werden. Hurra, bald muss der Lehrfilm „Willkommen bei den Flintstones“ nicht mehr von der Betamax-Kassette im Videowagen abgespielt werden.

 

Wespenplage

Kennen Sie das, Sie haben die Butterbrotdose noch nicht halb aufgemacht, schon schwirren die ersten gelb-schwarzen Sturzflügler heran. Von einer Wespenplage sprach deshalb am Donnerstag auch „Baden TV“ und zitiert einen Experten, der von sozialparasitischen, deutschen und gemeinen Wespen spricht. Wie kann man das jetzt erklären, ohne ins rechte Spektrum abzudriften?

Ein Versuch: Trinkt eine deutsche Wespe aus einer geöffneten Flasche amerikanisches, braunes Zuckerwasser, so ist das im Hinblick auf den Menschen nicht sozialparasitisch, sondern gesundheitsfördernd. Wenn die Wespe den Colaflaschenbesitzer hingegen auch noch sticht, ist sie gemein. Verschwörungstheorieanregung: Bestimmt sind das alles kleine, chinesische Roboterdrohnen, die deutsche Salami-DNA für Bill Gates ausspionieren sollen.

 

Neuer Duden

Seit vergangenem Mittwoch gibt es den neuen „Rechtschreibe-Duden“, berichtet der „SWR“ und begibt sich schnurstracks auf kabarettistisches Terrain, indem er nachschiebt, die baden-württembergische AfD betrachte das 1.296 Seiten starke Druckwerk als „Ideologiehilfe zur Durchsetzung linker Politik“. Unter anderem wohl, weil hier zu viele Anglizismen aufgenommen wurden wie „Fridays for Future“ oder „Hatespeech“. Respekt!

Aber auch der Duden-Verlag selbst lässt sich nicht lumpen und haut einen Schenkelklopfer raus: Die völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage sei u.a. die aktuellste, die es je gab, heißt es auf der Homepage. Das ist der Duden-Wumms! Hängen wir also mit dem neuen Linksschreibduden ein Gendersternchen ans Mikroplastik, schauen uns das nach dem Shutdown im Videobeweis an und beauftragen die Helikoptereltern mit der Dachbegrünung, während der Pflegeroboter vor Flugscham auf dem Elektroscooter davonbraust. Yeah ist das neue Bäh!

 

Kanzlerkandidat Scholz

„Jetzt ist es raus“ zitierte „DIE ZEIT“ am vergangenen Montag nach der Geburt eines Kanzlerkandidaten diesen selbst. Raus war aber nicht ‚es‘, sondern ‚er‘, der Geist aus der halbleeren Flasche namens SPD. Aber was heißt schon halbleer oder halbvoll, vielleicht ist die Flasche einfach zu groß. Jedenfalls startet Olaf Scholz als Kanzlerkandidat in die bevorstehende, lange Zeit der politischen Mit-Sich-Selbst-Beschäftigung.

Muss man der „ZEIT“ eigentlich Süffisanz vorwerfen, wenn sie relativ weit oben in ihrem Artikel die SPD-Vorsitzende Saskia Esken mit den Worten zitiert „Olaf hat den Kanzler-Wumms. Wir freuen uns auf einen großartigen und erfolgreichen Wahlkampf“? Ist das noch Pfeifen im Walde oder schon verzweifeltes Herbeibeten einer Self-Fulfilling Prophecy?

Gemeinhin wird Scholz eine gewisse „Merkelhaftigkeit“ attestiert. Das hat die Kanzlerin nun von ihrer freundlichen Übernahme der früheren Konkurrenzpartei. Apropos Konkurrenzpartei: Auch die CSU droht damit, mal wieder einen Kanzlerkandidatenentwurf ins Rennen schicken. Wenn der dann seine Heimat ähnlich neutral behandelt wie sein Bundesverkehrsministerkollege, dann tagt der Bundestag bald auf Schloss Neuschwanstein.

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