Mediatheken

Mahlzeit! Hexenküche Lebensmittelindustrie

Ein Fertig-Cordon-bleu: Warum braucht man für dieses panierte Kalbsschnitzel an die 30 Zutaten, obwohl eigentlich nur fünf nötig wären? Foto: Capa TV

Veröffentlicht am 26. Januar, 2021 | 14:19


Die ARTE-Mediathek zeigt bis zum bis 3. April 2021 die Dokumentation „Mahlzeit! Hexenküche Lebensmittelindustrie„. Es geht um die Frage, wie in Deutschland und Frankreich die Rezepturen klassischer Fertiggerichte aussehen. Dabei hat sich gezeigt, dass man für die Zubereitung keine Küche, sondern eher ein Chemielabor und jede Menge Pulver und Granulate braucht. 

Tod durch schlechte Ernährung – es gibt wohl keinen Arzt, der dies auf einen Totenschein schreiben würde. Dabei sterben immer mehr Menschen an den Folgen von Krankheiten, die durch Ernährung ausgelöst oder verstärkt werden: Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. Die Lebensmittelindustrie agiert intransparent und hält sich bedeckt. Sie wird zudem immer kreativer, wenn es um Produktbezeichnungen und Angaben auf Verpackungen geht. Häufig täuschen die Informationen darüber hinweg, dass es sich um ungesunde Lebensmittel handelt.

Industriell verarbeitete Lebensmittel sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Palette an Fertiggerichten wird immer größer, ihr Preis immer geringer. Fettleibigkeit und Diabetes nehmen zu, die Angaben auf der Verpackung werden immer unverständlicher. Zum Glück wehren sich Konsumenten, Verbraucherorganisationen und auch einzelne Unternehmen zunehmend gegen den ungesunden „Fertigfraß“.

Um hinter die Kulissen der Lebensmittelindustrie zu blicken, nehmen die Dokumentarfilmer die Perspektive eines Lebensmittelchemikers ein und stellen ein klassisches Fertigprodukt her: ein Cordon bleu. Warum brauchen wir für das panierte Kalbsschnitzel an die 30 Zutaten, obwohl eigentlich nur fünf nötig wären? Kann man beim Fleisch, das in der Industrieversion steckt, wirklich noch von Fleisch sprechen? Und was hat die mit jeder Menge Zusatzstoffen versehene Schmelzmasse mit Käse zu tun? An einem konkreten Beispiel entschlüsselt der Dokumentarfilm, was genau da in unseren Magen wandert und fragt, ob dies noch gesund sein kann.

Die nationalen und europäischen Lebensmittelbehörden geben an, überlastet zu sein und zögern damit, gesundheitsgefährdende Zutaten, die sie selbst zugelassen haben, wieder zu verbieten. Doch unter dem Druck von Konsumenten und Apps zum Scannen von Barcodes auf Produkten wie „Yuka“ haben einige Unternehmen damit begonnen, nachzubessern. Sie beschränken die Liste der Zutaten, setzen weniger Zusatzstoffe ein und verwenden pflanzliche Proteine.

Das Vorgehen ist zu begrüßen, auch wenn es eine echte Herausforderung darstellt und sogar kontraproduktiv sein kann, wenn etwa ein veganes Gericht in Verdacht gerät, der Gesundheit zu schaden. Letztendlich geht es um die Frage, ob die Gesellschaft bereit ist, einen höheren Preis für gesunde Ernährung zu bezahlen.

Am Beliebtesten

Nach oben
X