Kolumne Zett.

WM-Kolumne: Software-Update

Was fängt man nur mit den letzten Tagen des Weltmeister-Daseins an? Foto: Arne Bicker

Veröffentlicht am 3. Juli, 2018 | 21:34


WM-Kolumne Zett. / 4. Juli 2018

von Arne Bicker

Die Führung der deutschen Mannschaft hat sich zum Software-Update selbst in die Werkstatt zurückgerufen. Es darf gerätselt werden, ob das nun genial oder fatal ist. Die Antwort gibt es spätestens zur gesamteuropäischen EM 2020 mit ihrem Finale in London. Derweil tobten die Achtelfinals aus Russland über unsere Bildschirme; es spreute sich die Trennkost vom Weizen.

Neben den drei Elfmeterverlosungen zugunsten Russlands, Kroatiens und Englands gab es drei bemerkenswerte Spiele: Zunächst das französische 4:3 gegen Argentinien. Dann das Duell Brasilien gegen Mexiko, in dem die Mexikaner den Sambaschläpplern zunächst nur auf den Geist, dann aber auch gewaltig auf die Knochen gingen – indes, es nutzte nichts, der Rekordweltmeister schüttelte die Cucarachas ab wie Haferflocken von der Tischdecke und siegte verdient mit 2:0.

Deutlich kniggeaffinere Umgangsformen legten hernach ausgerechnet die Erfinder diverser Knochenbrechermethoden aus Japan gegen Belgien an den Tag – es wurde Fußball gespielt, und wie! Die japanische Taktik umfasste zwei im Höhentraining im japanischen Bergland an Spielekonsolen eingeübte Ansätze: Kontersaki und Schizoido.

Letzteres führte dazu, dass ein Belgier im Vollsprint einen Japaner bereits überlaufen glaubte, als dieser plötzlich wieder vor ihm als zusätzlicher Gegenspieler auftauchte. Ob Doppelgänger oder reinkarniert – die Japaner schenkten Belgien zwei untergehende Sonnen ein, ganz im Sinne jenes japanischen Sprichworts, wonach erst die Tore das Wasabi auf dem Sushi sind. Die Belgier fanden sich solchermaßen in einem fernöstlichen Wimmelbild wieder und hatten der japanischen Shintō-Taktik der gefühlten Überzahl zunächst wenig entgegenzusetzen.

Doch sie blieben erstaunlich cool – und drehten auf. Gleich dreimal stießen sie den japanischen Reissack um und stifteten so Chaos in den Gesichtern der Söhne Nippons, die näher als nah dran gewesen waren, sich am Ende aber doch der Fußball-Hierarchie beugen mussten, wonach Belgien derzeit auf dem dritten und Japan auf dem einundsechzigsten Platz der FIFA-Weltrangliste vor Anker liegt.

Schweden gegen die Schweiz war – anders als die drei genannten Kracher – eine Partie, deren fußballerische Wucht in etwa eine auf halber Geschwindigkeit laufende Meditations-CD analogisierte. Obwohl dieses ayurvedische Gericht ebenso wie Englands aufgehebelter Glückskeks gegen Kolumbien keinerlei Halbfinalaroma hinterließ, wird es eine dieser beiden Truppen unter die letzten Vier schaffen, da sich beide am Samstag (16 Uhr) im Viertelfinale gegenüberstehen werden.

Kolumbien hatte zwar aus der erfolglosen mexikanischen Auf-die-Socken-Taktik gelernt, kam jedoch mit der eigenen Schiritherapie in Diskussionsrundenformat zunächst auch nicht weiter. Erst als die Südamerikaner doch noch Fußball spielten, ging es verdient in die Verlängerung, während der – dem Vernehmen nach – der Flughafen in Bogota geschlossen werden musste, um durch Konzentrationsmangel bedingte Unfälle zu vermeiden.

Englands Harry Kane hatte zuvor den Rächer der Enterbten gegeben und einen berechtigten Strafstoß verwandelt – der Pfeil des Helden vom Tottenham Forest hatte zum sechsten Mal bei dieser WM ins Schwarze getroffen. Mit England / Kane und Brasilien / Neymar sind also noch zwei One-Man-Shows im Rennen, während Portugal / Ronaldo und Argentinien / Messi ausschieden – es steht 2:2 in der Egomanenfrage.

Gemessen an den Achtelfinalleistungen müsste der neue Weltmeister Frankreich, Brasilien oder Belgien heißen, mit Russland und seinem Motivationstrainer Yevgeni Momentum als Zusatzzahl. Wobei Brasilien und Belgien schon am Freitag (20 Uhr) im Viertelfinale aufeinandertreffen – was ein dramatisches Duell verspricht.

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