Kultur

NS-Doku-Zentrum kommt

Den Brunnen auf dem Grundriss der alten Freiburger Synagoge nutzen glücklich spielende Kleinkindern an heißen Sommertagen zur Erfrischung. Foto: Arne Bicker

Veröffentlicht am 28. Juni, 2018 | 11:44


Die Dialogrunde der Stadtverwaltung mit den beiden jüdischen Gemeinden zum Umgang mit den Fundamentresten der Alten Synagoge hat ein vorläufiges Zwischenergebnis erbracht. Wichtigstes Element ist die nun wieder aufgenommene Idee eines zentralen Dokumentations- und Informationszentrums über den Nationalsozialismus in Freiburg. Dieses soll nach Ermittlung des Raumbedarfs in einem dann noch zu findenden (oder zu bauenden) innenstadtnahen Gebäude untergebracht werden.

In dem neuen NS-Doku- und Infozentrum sollen dann möglichst viele gut erhaltene Fundamentsteine der alten, 1938 zerstörten Synagoge in einem Mahnmal präsentiert werden. Außerdem sollen die Namen der ermordeten Jüdinnen und Juden in Freiburg in dem NS-Doku- und Infozentrum sichtbar gemacht werden. Bei der Erarbeitung eines detaillierten Konzepts werden die Jüdischen Gemeinden weiter einbezogen.

Vorausgegangen waren unterschiedliche Erwartungshaltungen und kontroverse Diskussionen im Zusammenhang mit dem neu gestalteten, zentralen Platz der Alten Synagoge mit dem Erinnerungsbrunnen zwischen Stadttheater und Kollegiengebäude II der Universität. So hatten sich einige Zeitgenossen an im Brunnen planschenden Kleinkindern gestört.

Den Grundsatzbeschluss für das NS-Doku- und Infozentrum soll der Gemeinderat noch vor der Sommerpause absegnen. Demnach soll dieses bis Ende 2020 realisiert sein. In dem achtmonatigen Dialog wurde auch festgehalten, dass die Idee eines ergänzenden Mahnmals auf dem Platz der Alten Synagoge nicht mehr verfolgt wird. Außerdem sollen beide jüdischen Gemeinden jeweils ein Sandsteinmodell der Alten Synagoge erhalten, die die Stadt Freiburg finanzieren wird.

Nachdem bereits während der Dialogrunde provisorische Informationsstelen und das Gurs-Schild beim Synagogenbrunnen aufgestellt wurden, haben sich Stadtverwaltung und die beiden jüdischen Gemeinden darauf verständigt, ein digitales Informationspanel, ähnlich jenem am Eingang des Freiburger Münsters, zu installieren. Das Panel soll unter anderem Informationen über die Geschichte der Synagoge, die Hintergründe der Zerstörung, die Namen der Opfer und Informationen über jüdisches Leben in Freiburg beinhalten.

Die Mitglieder des Dialogs einigten sich weiterhin, dass der Platz der Alten Synagoge, dessen Gestaltung auf einem breit angelegten Beteiligungsverfahren beruht, mit dem Brunnen kein Mahnmal oder Gedenkort im eigentlichen Sinne sein kann, sondern ein Ort der Erinnerung. Dies schließt selbstverständlich mit ein, dass an Gedenktagen, wie zum Beispiel an jüdischen Feiertagen, dort Gedenkfeiern stattfinden können.

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