Kunst

In die Puschen – Die Geburt der FAF

Wer hat's erfunden? Die Idee zur neuen Kunstmesse FAF geht auf FWTM-Geschäftsführerin Hanna Böhme zurück. Foto: Arne Bicker

Veröffentlicht am 10. Juli, 2020 | 16:45


von Arne Bicker

Freiburg erhält eine neue Kunstmesse in der Messehalle 1. Zumindest als Versuchsballon soll die „Freiburg Art Fair“ (FAF) am Freitag, 9., und Samstag, 10. Oktober 2020, in Form einer Direktverkaufsmesse für Freiburger Künstlerinnen und Künstler an den Start gehen. Für den Erfolgsfall ist eine jährliche Fortsetzung angedacht.

Die Idee stammt von der FWTM-Geschäftsführerin Hanna Böhme, die in ihren zurückliegenden Lebensjahren in Asien von der Messeform „Affordable Art“ (Bezahlbare Kunst) schwärmt, die sie in Peking erlebt hat und die inzwischen auch in Europa Verbreitung findet. „Als Besucherin war ich sehr angetan, da die Messe mir damals nicht nur die Möglichkeit zum Betrachten der Kunst bot, sondern eben auch den Zugang zum Erwerb“, so Böhme. „Nach einem Gespräch mit Frau Galandi-Pascual habe ich ihr dann ein paar Informationen über die Messe in Peking geschickt; diese wurden prompt aufgenommen und nun veranstalten wir im Oktober die erste Freiburg Art Fair.“

Das war im April, vor wenigen Wochen erst. Dr. Julia Galandi-Pascual ist Leiterin der renommierten „Paul Ege Art Collection“ (PEAC) im Hause des Freiburger Technologiedienstleisters Alexander Bürkle. Sie stand quasi eh in den Startlöchern, war doch für den 20. Juni dieses Jahres die Kick-Off-Veranstaltung einer neuartigen „Biennale für Freiburg“ (BfF) geplant, die, Corona-bedingt, nun erst 2021 erfolgen soll. Träger ist ein gleichnamiger Verein, in dem auch Kunstverein-Chef Henry Dietz, E-Werk-Kuratorin Heidi Brunschweiler, Kunstjournalist Dietrich Roeschmann und der Macromedia-Kunstprofessor Ben Hübsch versammelt sind.

Der bildende Künstler und Kunstprofessor an der Macromedia-Hochschule (früher hKDM) Ben Hübsch ist nun zugleich der Kopf der Messeträgergesellschaft „FAF GbR“, die die neue Kunstmesse zusammen mit der FWTM anschiebt. Neben Hübsch treten hier die Künstler Günther HolderMartin KasperThomas Kitzinger und Florian Thate als Mitveranstalter an. Im Beirat sitzen Julia Galandi-Pascual und mit Nikolaus Bischoff ein weiterer Macromedia-Kunstprofessor und früherer Galerist in Lahr.

„Wir müssen das alles in der Kürze der Zeit mit heißer Nadel stricken“, sagte Ben Hübsch im Gespräch mit dem Kulturmagazin ZETT. Frühestens in der Woche ab dem 13. Juli sollen rund 50 Freiburger Künstlerinnen und Künstler zur FAF-Teilnahme eingeladen werden. Die genannten GbR-Macher stellen ebenfalls aus. Wer die anderen Künstler sind? „Das kann ich noch nicht sagen“, so Hübsch.

„Die werden sich richtig Zoff einhandeln mit den Nicht-Berücksichtigten“, mutmaßt der Freiburger Galerist Albert Baumgarten. „Aber grundsätzlich finde ich die Messe sehr gut. Das ist großartig gerade für Künstler, die keine Galerie-Vertretung haben.“ Galerien, so sieht es das Konzept vor, dürfen bei der FAF ausdrücklich nicht ausstellen.

30 Prozent aller Umsätze sollen in einen Gemeinschaftstopf für alle ausstellenden Künstler fließen, also auch für die, die nicht oder wenig verkaufen. Etwa 10 Prozent werden für Ausstellungskosten draufgehen, erläutert Hübsch. Die Messe selbst kassiert zwar zehn Euro Eintritt (außer von Studenten und Schülern), verlangt aber zunächst keine Standgebühren. Nur so scheint das fragile Unternehmen einer neuen Kunstmesse möglich.

Hanna Böhmes FWTM-Geschäftsführer-Kollege Daniel Strowitzki sagt dazu: „Die FAF soll unseren Künstlern gerade aus dem lokalen Umfeld mehr Aufmerksamkeit und Image verschaffen. Sie erhebt daher keinerlei Anspruch, sich mit einer internationalen Kunstmesse wie der Art Basel zu messen oder zu vergleichen. Die FAF wird zeigen, dass die großartige Kunstszene in Freiburg alleine eine eigenständige Messe auf die Beine zu stellen vermag. Und das unterstützen wir gerne.“

Thomas Arabin, Abteilungsleiter Messe und Projektleiter der FAF meint: „Die FAF grenzt sich als eine reine Künstlermesse deutlich von den anderen Kunstmessen ab. Es geht hier um den direkten Kontakt zum Künstler, zu seinen Arbeiten, pur und ohne Filter.“

Die FAF will im Oktober in der hangarartigen Halle 1 der Messe Freiburg alle Kunstwerke schnörkellos auf einfachen Regalen und Ständern an den umlaufenden Wänden präsentieren. In der Hoffnung, dass so Flugzeuge im Bauch der Besucher entstehen. Objekte des Interesses sollen temporär an Holzwänden in der Hallenmitte in den Fokus gerückt werden. Mehr Hochglanzoptik oder die üblichen ‚Messekojen‘ lässt das Finanzkonzept nicht zu. Vielleicht könnte es gerade deshalb visuell spannend werden. „Wir gehen voll auf Risiko“, so Hübsch, der mit seinen Mitstreitern um den Arbeitsaufwand der Messeplanung nicht zu beneiden ist.

Auch die Qual der Künstlerauswahl scheint für Hübsch und seine Mitstreiter wirklich eine solche zu sein: „Wir können nur rund 50 Künstlerinnen und Künstler auswählen – das ist total bitter und macht ein ungutes Gefühl. Aber man kann nicht alle glücklich machen. Wir müssen uns beschränken und wollen das Konzept, sollte es so funktionieren, in Zukunft jährlich fortsetzen und dann auch deutlich ausweiten.“

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