Kunst

Ohne mit Filter – Die FAF hat eine Chance verdient

Porentiefe Kunst: An der neuen Freiburg Art Fair (FAF) scheiden sich die Geister. Grafik: Kulturmagazin ZETT.

Veröffentlicht am 11. Juli, 2020 | 13:19


Ein Kommentar von Arne Bicker

Die Kunstszene in Freiburg gerät in Wallung. Man könnte auch sagen, sie wird aus ihrer Lethargie gerissen: Eine neue, echte Kunstmesse in der Freiburger Messehalle 1 kündigt sich an. Am 9. Und 10. Oktober 2020 soll die erste „Freiburg Art Fair“ als Direktverkaufsmesse für Freiburger Künstler über die Bühne gehen. Zudem ist eine neue Kunstbiennale für das kommende Jahr 2021 geplant.

Die Kunstszene in Freiburg reibt sich verwundert die Augen und bringt, immerhin das geht dann plötzlich ganz schnell, Kommentare hervor wie „Das wird niemals klappen“, „In Freiburg gibt es gar keine Käufer für hochwertige Kunst“, „Na gut, warum nicht“, oder: „Das wird alles völlig falsch angepackt und umgesetzt“. Soweit die erwartbare Gemengelage in den Freiburger Kunstkreisen.

Fakt ist: Zwischen der Art Basel und der Art Karlsruhe ist Freiburg bislang ein weißer Fleck auf der Landkarte großer Kunstpräsentationen. Diese Beschaulichkeit, dieses Nicht-Stattfinden eines zum Teil auch größenwahnsinnigen und selbstverliebten Kunstmarkts ist ein Gut. Einerseits.

Andererseits kann, wer derlei ablehnt, sich wohl auch in Zukunft unbeschwert frei machen von ein paar Tagen Kunsteventgemache in der Stadt. Eine größere Kunstmesse, die sich bei weitem und noch lange nicht mit jener etablierten in Karlsruhe oder gar dem Weltmarktführer in Basel vergleichen ließe, mag indes auch manchem galeriefreien Künstler eine Chance diesseits einer Ferner-Liefen-Hängung in Arztpraxen und Cafés bieten.

Der Natur der Sache nach nimmt eine solche Messe eine Unterscheidung vor, erschafft einen Glaubens- und Geschmacksgraben zwischen Teilnehmern und Nicht-Teilnehmern, zwischen Befürwortern und Ablehnern. Es ist wie so oft: Man kann es nicht allen Recht machen. Aber man kann es machen. Und das erfordert Mut.

Einen direkten Kontakt zum Künstler ganz ohne Filter verspricht die Messe. Der Filter der Künstlerauswahl sei unerträglich, stöhnen einige Kunstschaffende. Das bedeutet Verantwortung für jene fünf Freiburger Künstler, die die Messe ausrichten und zugleich ihre eigenen Arbeiten ausstellen wollen.

Es ist wohl kaum im Interesse der Messe Freiburg, sprich der FWTM, die sich dem Wohl der Stadt verschrieben hat, eine Zwei-Klassen-Gesellschaft heranzuzüchten. Gleichzeitig lässt sich das schlicht nicht umgehen, solange eine von einer bestimmten Gruppe kuratierte Auswahl getroffen wird. Ein Kunst-Flohmarkt wäre wohl eher kontraproduktiv.

Eine Messe für Affordable Art im richtigen Offline-Leben mit geringen Umsätzen und hohen Messekosten ist ohnedies schwer ans Laufen zu bringen, auch wenn ein Teil der Macher im Freiburger Atelierhaus an der Basler Straße und im Pförtnerhäuschen der Ganter-Brauerei schon limitierte Erfahrungen gesammelt hat. Nicht berücksichtigten Künstlerinnen und Künstlern bleibt immerhin als Trost die Veranstaltung der offenen Ateliers in Freiburg, die „offensichtlich::20“, die am Wochenende darauf, 17. und 18. Oktober, anhängig ist.

Nun auch ein größeres Abenteuer zu wagen, Neuland zu betreten, es wissen zu wollen, erscheint per se löblich. Es bleibt abzuwarten, was FAF GbR und FWTM daraus machen. Eine Chance haben die Veranstalter, wie jeder andere, verdient. Und es könnte auch eine Chance für die Stadt Freiburg, ihre Künstler und beider Anziehungskraft sein.

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