Kultur

Situationskomik, Zwischenmenschliches, Wein

Cordula Kitiratschky ist seit 25 Jahren im Raum Breisach wohnhaft. Sie wurde am 09.01.1966 in Radolfzell geboren, womit sie am selben Tag Geburtstag hat wie Simone de Beauvoir.

Veröffentlicht am 28. November, 2018 | 15:24


Um Situationskomik, Zwischenmenschliches, Wein und Kulinarik geht es in den Cartoons von Caroline Kitiratschky. Die hauptberufliche Sozialpädagogin malt an Wochenenden Bilderwitze, die sich vor der Kulisse Breisachs, des Kaiserstuhl oder Freiburgs abspielen. Mit ihren Erinnerungen und allgemein gültigen Lebenserfahrungen, die in den Cartoon-Witzen zum Ausdruck kommen, ist sie innerhalb von zwei Jahren bekannt geworden. Sie trifft sich für ein Interview mit mir in den Zypresse-Büros der Freiburger Innenstadt. Als sie mit einem strahlenden Lächeln unsere Büros betritt, bekomme ich sofort gute Laune. Wir nehmen uns zwei Tassen Kaffee und gehen in den Konferenzraum. Cordula Kitiratschky hilft mir beim Tragen, schließlich habe ich noch eine Kamera dabei, damit wir nach dem Interview noch schöne Fotos von ihr machen können. Dann setzt sie sich entspannt lächelnd zu mir an den Tisch.

Frau Kitiratschky, die Situationskomik in Ihren Cartoons lässt mich manchmal so unverhofft auflachen, dass ich Sie fragen muss: Machen Sie das absichtlich?

 Ja, klar. Natürlich möchte ich, dass die Leute sich über die Bilder freuen, dass es ihn nicht nur optisch gefällt, sondern dass sie sich auch darüber freuen und sich daran erinnern. Es sind ja hauptsächlich zwischenmenschliche Momente, die man oft nicht beachtet, die ich einfange. Wenn man dann darüber nachdenkt, sind die Momente eigentlich lustig. Die Botschaft ist mir wichtig, dass die ankommt.

Die Figuren, die Sie geschaffen haben, scheinen ihren eigenen Charakter zu haben, stimmt’s?

Ja, und das hat sich erst so entwickelt. Ich habe ich vor zwei Jahren mit dem Zeichnen von Comics angefangen, mit Bildabfolgen. Und da habe ich eine Figur entwickelt, die lustig ankommt. Aber die war am Anfang dürrer. Ich habe gemerkt, dass es nicht das Richtige ist und dass ich sie knolliger malen muss mit mehr Nase: runder und liebenswerter.

Da sitzen zum Beispiel zwei Typen mit knolliger Nase im Café, blicken auf die Baustelle in Breisach und einer sagt: „Super Idee mit der Neugestaltung der Innenstadt. Nichts ist erholsamer als anderen bei der Arbeit zuzusehen.“ Staunen Sie manchmal selbst darüber, was Ihre Figuren so von sich geben?

Absolut, (lacht). Das war eine Anfrage der Breisach Touristik, die konkret zu dem Thema Baustelle einen Auftrag bei mir vergeben haben. Um deutlich zu machen, dass Breisach es trotz der Baustelle wert ist, besucht zu werden. Dieses Poster hängt noch immer im Schaufenster. Breisach habe ich übrigens öfters dargestellt. Wenn ich unterwegs bin dann schaue ich, was könnte perspektivisch gut aussehen, mache ein Foto und schaue mir dann zu Hause die Verhältnisse an, die Perspektive, und dann beginne ich zu zeichnen.

Sie Zeichnen auch auf Anfrage. Wie macht man aus einem langweiligen Thema einen guten Witz? Zum Beispiel, wenn die Ehefrau sagt, „Zeichnen Sie etwas, mein Ehemann hat Geburtstag. Er wandert gern in den Vogesen“. Ist das nicht eine Herausforderung?

Wenn jemand anfragt, dann fällt mir immer sofort etwas ein. Es ist mir noch nie passiert, dass mir nicht sofort dazu etwas Witziges einfällt. Sie kann dann eine Sonderanfertigung als Unikat, als Original oder als gerahmten A3-Druck bestellen. Die Anfrage, die mich am meisten gefordert hat, war die Illustrierung einer Sagengeschichte über das Lilienthal als Kinderbuch, weil ich von den runden Kartoffeln Hasen wieder weg musste. Und ich brauchte hübsche und kindgerechte Figuren und es ist gelungen. Das war die größte Herausforderung. Aber schön zu wissen, dass wenn ich muss, ich auch andere Figuren zeichnen kann.

Sie investieren Ihr Wochenende für eine Zeichnung. Und wenn dem Auftraggeber die Zeichnung am Ende nicht gefällt?

Bei Auftragsarbeiten sage ich immer dazu: „Ich zeichne Ihnen etwas und kann es nachher nicht mehr ändern. Es ist eine Aquarellzeichnungen, ich kann da nichts drüberlegen oder einen Baum versetzen. Sondern es ist von der Komposition her für mich perfekt. Sie müssen es nicht abkaufen, Sie müssen es nicht nehmen, dann habe ich eben Pech und bleibe drauf sitzen oder werde es woanders verkaufen. Bis jetzt ist es immer genommen worden.

Ihre Rubriken lauten: „Aus dem Leben“, „Aus dem Kaiserstuhl“, „Wein und Kulinarik“. Müssen Sie viele Rücksichten nehmen, wenn Sie Leute in Breisach, Freiburg und dem Markgräflerland hochnehmen?

Das Umfeld, in welchem ich mich bewege, hat mit Tourismus zu tun und wir wollen auch die Touristen ansprechen, das ist mir ein Anliegen. Und da ist die Darstellung der schönen Welt gefragt und auch meine Liebeserklärung an die Region, in der wir leben. Und die Witze sind hier natürlich harmloser, weil es nicht ans Eingemachte geht, soll es auch nicht. Wenn ich selbst irgendwo touristisch unterwegs bin, freue ich mich über die Schönheit der Landschaft, über die Menschen, denen ich begegne und möchte nicht mit sarkastischen Themen versorgt werden.

Sind Sie in Ihrem Hauptberuf nicht ausgelastet? Warum zeichnen Sie?

Ich bin schon ausgelastet, ich arbeite, kümmere mich um meine hochbetagten Eltern, aber ich brauche auch etwas, das mich antreibt. Ich möchte nicht immer mit traurigen Sachen zu tun haben, darum male ich. Ich hatte vor drei Jahren einen Schicksalsschlag und da muss man wirklich noch mal neu über sein Leben nachdenken. Und ich habe wirklich um mein Leben gemalt. Ich habe das gebraucht. Ich kam außerdem zu dem Schluss, mein Beruf, das kann nicht alles gewesen sein. Zumal ich im Beruf mit traurigen Dingen zu tun habe. Ich bin Sozialarbeiterin bei einer Behörde, kümmere mich hauptsächlich um Erwachsene, die im Leben nicht zurechtkommen. Es war mir einfach wichtig, etwas entgegen zu setzen. Es musste bunt sein und eben komisch.

Sie schauen aber den Leuten nicht nur aufs Maul, sondern scheinen sie zu durchschauen. Stichwort „Sozialpädagogin in einer Behörde“. Durchschauen Sie auch Ihre Klienten?

 Nicht immer (lacht), da gibt es dunkle Abgründe, die mich immer wieder erstaunen, wo ich auch nicht nachvollziehen kann, wie man so leben kann, denken kann, empfinden kann.

 Kennen Ihre Kollegen Ihre Cartoons? Und fühlen die sich durchschaut?

Wo sie sich durchschaut fühlen, ist vielleicht im zwischenmenschlichen Miteinander, aber sie finden es offensichtlich lustig, kaufen immer wieder bei mir Sachen und beauftragen mich. In meinem Team arbeiten die Kollegen von der Jugendgerichtshilfe, die jährlich Weihnachtskarten an Einsatzstellen schreiben, wie zum Beispiel an die Richter. Und diese Kollegen haben mich gebeten, Weihnachtskarten zu zeichnen. Das mache ich dann auch, zum Beispiel die Karte mit dem Weihnachtsmann vor dem Jugendgefängnis, wo die Jugendlichen hinter den Gitterstäben hervorschauen und der Weihnachtsmann steht da mit Geschenken und fragt „Seid Ihr auch alle schön brav gewesen?“ Das ist, offen gestanden, die blödeste Frage, die man Jugendlichen oder Kindern stellen kann. Cartoons überzeichnen ja auch immer eine Situation und es ist mir tatsächlich wichtig, dass man über eine Frage wie diese nachdenkt, die bestimmt auch heute noch ganz vielen Kindern gestellt wird.

Charakteristisch für ihre Arbeiten sind die realistischen Hintergründe. Im Vordergrund sieht man deutlich die bunten Figuren. Und im Hintergrund realistische, leicht verwaschene Szenerien realer Schauplätze. Künstler nähern sich der Realität auf verschiedene Weise, in verrückter Kunst oder düsterer Poetik. Welcher Künstlerin fühlen Sie sich näher? Simone de Beauvoir oder Frida Kahlo?

(Lacht). Beiden nicht, aber wohl eher Simone de Beauvoir, denn die ist – wie ich – an einem 9. Januar geboren. Und deswegen hat sie mich schon in meiner Jugend begleitet, sonst hätte ich sie vielleicht gar nicht gelesen, wenn ich da nicht eine Verbindung wegen dem Geburtsdatum gespürt hätte.

In der Rubrik „Miteinander“ machen Sie sich auch über fremdenfeindliche Aussagen lustig und nehmen ausländerfeindliche Menschen aufs Korn. Sind Sie gar nicht so harmlos wie Sie tun?

Ich wäre gern noch frecher. (Nachdenkliches Schweigen).

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