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Skurriles aus der „Oase Ostfildern“

Das ist unser Haus: Richy Müller, Felix Klare, Joseph Bundschuh, Anna Brüggemann, Nadine Dubois, Christiane Rösinger, Michael Kranz, Eike Jon Ahrens, Désirée Klaeukens, Lana Cooper und Oliver Gehrs brillieren in einem Haus-WG-Kammerspiel. Foto: SWR / Benoit Linder.

Veröffentlicht am 17. Januar, 2021 | 22:10


von Arne Bicker

Ehre, wem Ehre gebührt: Das verstaubte ARD-Krimi-Format „Tatort“ wartet hin und wieder mit Sternstunden der Sonntagabend-Unterhaltung auf. So auch im neuesten Stuttgarter SWR-Tatort „Das ist unser Haus“ von Dietrich Brüggemann und Daniel Bickermann. Feinste TV-Unterhaltung, die nun bis Juli 2021 hier in der ARD-Mediathek zu sehen ist.

„Oase Ostfildern“ nennt sich eine esotherisch-biologisch-politisch-korrekte Baugemeinschaft, in deren scheinbare Beschaulichkeit plötzlich eine Leiche durch ein fundamentales Abdichtungsproblem Einzug hält. Das ruft, absolut formatgerecht, zwei tatörtliche Kommisare auf den Plan, die hier dem idealistischen Traum vom gemeinschaftlichen Wohnen erstaunlich nahe kommen und sich fortan in einer verwirrenden Vielzahl alter und aktueller Konflikte verheddern.

Kann man ein Dach mit Knäckebrot decken? Wie weit reicht die Aura eines Hauses? Wie viele Gruppensitzungsprotokolle passen auf einen USB-Stick, und wie läuft eine Fahrrad-Verfolgungsjagd mit 180-Grad-Wende ab? Fragen wie diese entschlüsselt das Schauspielensemble schwäbisch-bedächtig nach einem wundervollen Drehbuch, das an das Schnittmuster eines Faltenrocks denken lässt. Der überaus feine Witz der Geschichte knallt nicht mit den Türen wie eine Screwball-Komödie, sondern lauert im Knirschen des Sozialgefüges, in Blicken, Details, Andeutungen.

Ein TV -Vergnügen und spannend-unterhaltsames Slow-Food für Augen und Hirn.

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