Sonstiges

Umfrage unter KünstlerInnen

Quelle: Haufe

Veröffentlicht am 18. März, 2021 | 11:07


Das wirtschaftliche Resultat nach einem Jahr Corona? Auf den ersten Blick überraschend positiv: Rund 85 Prozent (84,9 %) der befragten UnternehmerInnen und 82 Prozent der Selbstständigen aus den Bereichen Kunst und Kultur sind trotz Umsatzeinbußen aktuell noch zahlungsfähig.

Das ergab eine aktuelle Lexware-Umfrage1 unter 5.651 Selbstständigen im März 2021. Unter den Befragten waren auch 250 Kunst- und Kulturschaffende. Nicht allerdings, ohne dabei auf private finanzielle Rücklagen zurückzugreifen. Fast die Hälfte der aktuell noch zahlungsfähigen Künstler:innen (47,1 %) geht davon aus, in den nächsten 12 Monaten auf die für ihre Altersvorsorge vorgesehenen Ersparnisse zurückgreifen zu müssen.

Fast jede/r Fünfte (18 %) rechnet sogar damit, binnen eines Jahres die Selbstständigkeit komplett aufgeben zu müssen. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 hielt das noch fast jede/r Vierte (23 %) für sehr oder eher wahrscheinlich. Das zeigen Daten einer vergleichbaren Umfrage. Ein Grund dafür sind Umsatzeinbußen: Jede/r fünfte Selbstständige (19,8 %) verzeichnet einen monatlichen Umsatzrückgang von über 75 Prozent, bei den Selbstständigen im Bereich Kunst und Kultur sind es sogar 41,6 Prozent. Davon erzielt jede/r siebte Künstler/in aktuell sogar keinerlei Umsätze (14 %). Im April 2020 lag dieser Wert mit 37,8 Prozent noch weitaus höher, wodurch sich zumindest der Totalausfall von Einnahmen im Bereich der Kunst- und Kulturbranche etwas verbessert zu haben scheint.

Weiterhin zu spät und wenig hilfreich: Note 3,9 für Corona-Hilfen Seit März 2020 bietet die Regierung Selbstständigen diverse Hilfspakete an. Als hilfreichste Maßnahme zur Schadensbegrenzung gilt das Kurzarbeitergeld3. In Summe scheint die staatliche Unterstützung aber eher ernüchternd zu sein: So bewerten alle Befragten, die zumindest eine staatliche Hilfe beantragt haben, das Angebot durchschnittlich mit Note 3,9. Ein wenig überraschendes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass über die Hälfte der Befragten die Corona-Hilfen bis dato noch gar nicht oder nur teilweise erhalten hat (57,3 %). Allein die Novemberhilfe hat 47,2 Prozent noch nicht oder nur teilweise erreicht4.

Um dennoch weiterhin zahlungsfähig zu bleiben, haben Selbstständige einige praktische Maßnahmen ergriffen. Im Bereich der Kunst- und Kulturschaffenden mussten 15 Prozent einen Nebenjob annehmen, 14 Prozent haben Rechnungen geschrieben und 11 Prozent haben sich für Steuervorauszahlung sowie das später Bezahlen von Eingangsrechnungen entschieden.

Trotzdem kommen aktuell 63 Prozent der Befragten zu dem Ergebnis, dass es der Politik weitestgehend nicht gelungen ist, mit ihren Maßnahmen wirtschaftliche Sicherheit zu vermitteln. Dieser Meinung sind auch zwei Drittel der Selbstständigen aus den Bereichen Kunst und Kultur (67,6 %). Neben der schleppenden Zahlung zugesagter Hilfen ist ein weiterer möglicher Grund für die geringe Zufriedenheit die Tatsache, dass sich 67,3 Prozent der Selbstständigen gegenüber Angestellten „eher“ oder „viel schlechter“ gestellt fühlen – unter den Künstler:innen empfinden das sogar 81,2 Prozent.

Und dennoch müsse man sich trotz der dramatischen Lage für die Kunst- und Kreativwirtschaft nach Jo Komeyer, Band Leader und Manager der Happy Bavarians, auch ab und an die positiven Entwicklungen seit dem letzten Lockdown im März 2020 vor Augen halten. “ So haben sich seiner Ansicht nach die staatlichen Hilfsprogramme für Vollerwerbsmusiker mittlerweile deutlichen verbessert, wodurch deutsche Künstler:innen im europäischen Vergleich noch die größte Unterstützung erhalten. Beispielsweise in Frankreich gebe es aktuell keinerlei Hilfen für Kunstschaffende.

Bei allen Herausforderungen und existentiellen Unsicherheiten gibt es einen positiven Aspekt der Krise: Die dringend notwendige digitale Transformation und Flexibilisierung von KMU hat Fahrt aufgenommen. 16,6 Prozent der Befragten haben die Krise zum Anlass genommen, ihr Angebot, ihr Geschäftsmodell oder ihre Zielgruppe anzupassen. Damit hat sich gegenüber 2020 der Anteil der Unternehmen verdoppelt, die angeben, Änderungen an ihrem Business dauerhaft vorzunehmen (2020: 10,2%; 2021: 22,9%). Der Anteil derer, die Änderungen nur vorübergehend vornehmen, bleibt nahezu konstant (2020: 29,7%; 2021: 28,3%).

Auch im Bereich der Kunst und Kulturbranche hat jede:r Sechste eine Änderung des Angebots (16,4 %) und/oder des Geschäftsmodells (16,8 %) vorgenommen. Die Zielgruppe ist allerdings weitestgehend gleich geblieben – hier geben lediglich 8 Prozent der befragten Künstler:innen eine Änderung an.

Für den Oberbayer Musiker Komeyer stellen insbesondere Pop-Up-Konzerte, bei denen Musiker:innen zusammenkommen und für 15 Minuten musizieren, ein gutes Alternativangebot in der Krise dar: „Ein Pop-Up Concert kostet 150 Euro. Damit dient es zwar nicht unbedingt dem Ziel, Geld zu verdienen – aber die Musiker knüpfen Kontakte, rufen sich in Erinnerung, sind öffentlich aktiv und bleiben in Übung.“ Demgegenüber haben sich virtuelle Musikveranstaltungen seiner Meinung nach nicht etabliert. „Hier wurde schnell klar, dass eine virtuelle Musikveranstaltung kein Live-Event ersetzen kann, da in diesem Rahmen selten eine Feieratmosphäre entstehen kann“, so Komeyer.

Auch im Bereich der Digitalisierung hat die Krise eine Katalysatorfunktion eingenommen: 46,2 Prozent geben an, dass sich der Digitalisierungsgrad in mindestens einem der Bereiche Produkte/Dienstleistungen, interne Geschäftsprozesse und Kundenberatung/Vertrieb erhöht habe. Im April 2020 sagten das nur 31 Prozent. Am häufigsten wurden interne Geschäftsprozesse digitalisiert (30,5 %).

Etwas anders sieht es im Bereich der Kunst- und Kulturbranche aus. Auch wenn mittlerweile bereits 22,4 Prozent der Kunst- und Kulturschaffen die Digitalisierung ihrer internen Geschäftsprozesse forcieren, liegt der Fokus seit Beginn der Pandemie verstärkt auf der Digitalisierung von Dienstleistungen (26,8 %) und Vertriebskanälen (26,4 %).

 

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