Satire

War was? Der satirische Wochenrückblick am 22.8.2020

War was? Die Zett.-Redaktion präsentiert Nachrichten der zurückliegenden Woche. Foto: AB

Veröffentlicht am 22. August, 2020 | 05:06


von Tom Teuffel

War was? Die ZETT.-Redaktion hat die Medienlandschaft der letzten Woche bereist und kommentiert [direkt verlinkte] Nachrichten im Überblick.

 

Mikro-Mobilität

„Die fetten Jahre sind vorbei“, unkte „Spiegel Online“ am Freitag und prognostizierte vermehrt „klitzekleine“ Autos für den knapper werdenden Blechkisten-Handlungsspielraum in unseren Städten. Das Stichwort lautet ‚Mikro-Mobilität‘. Womöglich gibt es Stadtautos bald in Spielzeugläden zu kaufen. Wer wissen will, wie die elektrischen Mikro-Flitzer aussehen, findet hier die zugehörige Foto-Übersicht. Kein Geheimnis ist indes, dass wir Deutsche doch lieber fette SUFFS (Fachbegriff für Spritschlucker) ordern: Die Zulassungszahlen sagen uns, dass die fetten Zeiten weiterhin schwer im Kommen sind.

Da bietet es sich eher an, das urbane Platzproblem durch eine geeignete Sonderausstattung zu lösen. Vielleicht bietet der Münchner Landfahrzeughersteller Krauss-Maffei Wegmann bald Schwenkkanonenaufsätze für Straßenpanzer an? Das Geld dafür ließe sich zum Beispiel an Ballerspielen einsparen. Man müsste nur den fünfjährigen Sohnemann auf dem Weg zum Kindergarten oder Allnatura-Markt als Bordschützen einsetzen.

 

Bildung von Schutzklassen

Mit der Qualität von Alltagsmasken befasste sich am Donnerstag die „Tagesschau“ Dünne Masken seien riskant, heißt es in dem Bericht, der einen Pneumologen aus Schmallenberg mit den Worten zitiert „Je schwieriger das Atmen, desto besser“. Eine DIN-Norm sei vorerst nicht geplant, dafür aber neue Masken-Schutzklassen, nicht nur an Schulen. Schwarze Gummimasken, bei denen sich der Mundbereich mit einem Reißverschluss öffnen lässt, dürften dann wohl ebenso durchs Raster fallen wie Masken aus Tüllgardinen, Fliegenflies, Perlenvorhängen oder Hasengittern.

 

Weltbilderbuch

Zwei Passauer Medienwissenschaftler haben sich aufgemacht zu untersuchen, welches Weltbild öffentlich-rechtliche Sondersendungen in der Corona-Krise transportierten – das berichtete die „Welt“ am Dienstag. Die Studie lege den Schluss nahe, dass der Journalismus „differenzierter hätte sein müssen“. Speziell die Sondersendungen bei ARD und ZDF hätten „ein permanentes Krisen- und Bedrohungsszenario“ vermittelt. Dort seien „eigenständige Modelle der Welt“ konstruiert, „Zuspitzungen“ und „Inszenierungsstrategien“ verwendet worden.

Eine selbstkritische Hinterfragung hat zumindest ARD-Chefredakteur Rainald Becker wohl bereits vorgenommen – das legt dessen Zitat nahe: „Auch im Nachhinein halte ich Umfang und Inhalt unseres Informationsangebots für angemessen und ausgewogen.“ Auf Anhieb alles richtig gemacht? Kritik überflüssig?

Stellen Sie das Medium Ihres Vertrauens nach Monaten der Umgangserfahrung mit der Corona-Berichterstattung ruhig auf die Probe: Wird neben den Fallzahlen der täglichen Neu-Infektionen auch die Zahl der täglichen Tests genannt, auf die diese zurückgehen? Wird die Zahl der tatsächlich Erkrankten, der Schwerkranken in Krankenhäusern, der belegten Intensivbetten und der täglichen Todesfälle in Relation zueinander und Entwicklung genannt? Diese Kennzahlen, das haben wir gelernt, dienen der Einordnung und der Beantwortung der Frage nach der Schwere und Bedrohung durch die Pandemie und eine gefürchtete, zweite Welle. Wie gut sind unsere Medien?

 

Risikourlauber

Am Sonntag berichtete der „Deutschlandfunk“ über wachsende Kritik daran, dass Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer aus freiwillig bereisten Risikogebieten zum Beispiel an Flughäfen weiterhin kostenlos sind. Natürlich entbehrt diese Kritik jeglicher Tatsache, schließlich müssen die Tests selbstredend bezahlt werden, nur halt nicht von den Reisenden, sondern vom Staat, mithin von uns allen. Das mag ein wenig unfair klingen, ließe sich aber durch die Einführung von „Urlaubspaten“ lösen.

Das ginge so: Der Reisende zahlt den Flug, lässt auf Mallorca die Puppen tanzen und trägt das Risiko der Ansteckung. Der zugeloste „Urlaubspate“ ist ein daheimgebliebener Corona-Schisser, der gleichwohl ebenfalls gern in einem rappelvollen Flugzeug in Urlaub geflogen wäre. Der „Urlaubspate“ zahlt deshalb den Test des tatsächlich Reisenden und bekommt dafür als erster und exklusiv eine Foto- und Videoshow von den Erlebnissen des Urlaubers per Videostream mit Live-Kommentar ins Wohnzimmer geliefert – und kann so ansteckungsfrei nachträglich mitfiebern. Kosten für den Staat: 0 Euro!

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