Satire

War was? Der satirische Wochenrückblick am 29.8.2020

War was? Die Zett.-Redaktion präsentiert Nachrichten der zurückliegenden Woche. Foto: AB

Veröffentlicht am 29. August, 2020 | 09:14


von Tom Teuffel

War was? Die ZETT.-Redaktion hat die Medienlandschaft der letzten Woche bereist und kommentiert [direkt verlinkte] Nachrichten im Überblick.

 

Querdemonstrieren

Ganz brandaktuell entschied das Oberverwaltungsgericht in Berlin am frühen Morgen, dass die für heute geplante Demonstration des Gedankenzüchtervereins „Querdenken 711“ gegen die Demontage des Grundgesetzes nun doch stattfinden darf. So berichten es unter anderem die „Stuttgarter Nachrichten“. Diese Entscheidung ist im Sinne der Demonstranten natürlich grundfalsch. Wer dagegen demonstriert, dass das freiheitsgarantierende Grundgesetz von Diktatoren in Schafspelzen ausgehebelt werde und Masken Maulkörbe seien, der darf mit Recht erwarten, dass seine Demonstration verboten wird und kein Gericht dieses Verbot noch vor dem Brötchenholen aufhebt.

Aber so ist das mit den Behörden: Sie sind manchmal eben doch nicht ausgeschlafen und tun nicht immer das, was als naheliegend erachtet wird. Im Prinzip demonstrieren die Demonstranten also nun dagegen, dass sie demonstrieren dürfen. Der „Spiegel“ zieht den Hut vor so viel Finesse und wünscht online „Frohes Infizieren allerseits!“. Es ist wohl leider damit zu rechnen, dass genauso viele Journalisten wie Demonstranten dabei sein werden, um aus dem Umzug-Unfug zur Freude der Initiatoren ein Spektakel zu machen.

 

Schwerter zu Pflugscharen

„Wie Dieselbusse auf Elektro umgerüstet werden könnten – und wer das verhindert“ – das dokumentierte „Spiegel Online“ am Donnerstag. Oberleitungsbusse – auch Trolley- oder Obusse genannt – gibt es schon länger als das Internet. Ohne Oberleitung brauchen moderne Elektrobusse Batterie- oder Wasserstoffspeicher, um elektrisch fahren zu können. Freiburg setzt bereits zwei nagelneue E-Busse testweise ein, jedoch sind die Neuanschaffungen entsprechend teuer. Die Stadtwerke Landshut gehen einen anderen Weg; sie bauen einen alten Dieselbus in einen Elektrobus um.

Tuning oder Turning? Egal, der deutsche Durchschnittsautoschrauber denkt nun sicher: „Logo, kein Problem, Zahnriemen verlängern bis zum Scheibenwischermotor, ordentlich Saft drauf und ab dafür“ – aber ganz so einfach ist es wohl nicht. Auch wenn man dem Publikum das so zustandekommende, abenteuerliche Vor- und Zurück-Geruckel kreativ als Haltestellen-Tango verkaufen könnte. Und so vermutet der „Spiegel“, dass der neue Landshuter Ex-Diesel für 300.000 Euro der „womöglich teuerste Gebrauchtwagen in der Geschichte des öffentlichen Nahverkehrs“ sei.

 

Französischer Abschied

Der argentinisch-spanische Fußballer Lionel „Leo“ Andrés Messi Cuccittini will den FC Barcelona verlassen. Die Ablöse für den Messias des Rasensports beträgt irgendwas zwischen 0 und 700 Millionen Euro. Die „FAZ“ hat sogar eine Art Live-Ticker eingerichtet, wohin der sich selbst demontierende, respektive zu verführende Hyperstar wohl entfleuchen wird. Schuld an der Trotzreaktion sind nach Lage der Dinge der Clubpräsident, der neue Trainer und die 2:8-Niederlage gegen die Bayern.

Der 33-jährige zeigt der solchermaßen gleich in doppelter Hinsicht zur Gurkentruppe degradierten Formation in Katalanien, wie eine Abspaltung funktioniert. Und natürlich haben alle potenziellen Abwerber im Servicio Público de Empleo Estatal, beim staatlichen Arbeitsamt Barcelona-West, schon eine Nummer gezogen. Unklar ist, ob sich neben den üblich-verdächtigen Gelddruckmaschinen in Manchester und Paris auch Borussia Watzke Chancen ausrechnet. Schließlich könnte Messi nur hier seine Revanchegelüste Richtung Bayern nachhaltig und vor allem kurzfristig befriedigen. Er ist ja auch nicht mehr der Jüngste.

 

Briefwahl

Gehören auch Sie zu den Menschen, die US-Präsident Trump furchtbar unterschätzen? Das mit der angekündigten Postsabotage kann doch nur ein vorgetäuschtes Scheinmanöver sein, da der Mann doch über Atombomben verfügt. Immerhin schaute die „ZEIT“ am Dienstag einem US-Behördenchef namens Louis DeJoy auf die Finger. Es geht um die weltbewegende Frage: Trudeln die Briefwahlstimmen rechtzeitig bis zur 59. US-Präsidenten-Wahl am 3. November ein? Der leidenschaftliche Republikaner DeJoy versicherte demnach hoch und heilig, dass ja, oder zumindest vielleicht. Die USA schrauben also landesweit die Briefkästen ab oder füllen sie wenigstens mit Beton aus und verdonnern alle Austräger zu einer prädiagnostischen Oktober-November-Quarantäne.

Die Demokraten, die ihrerseits eine von Madame Tussauds Wachsfiguren ins Kabinettrennen schicken, wollen derweil alle Briefwahlstimmen für 25 Milliarden Euro Aushilfshonorar einzeln auf Samtkissen zu den Herren Trump, DeJoy und dem von Trump bestimmten, international-unabhängigen Wahlbeobachter Alexander Lukaschenko tragen, die diese dann persönlich zu dritt im Whirlpool eines Puffs in Arkansas auszählen – oder so. Das sind Verhältnisse! Olaf Scholz und Markus Söder schauen jedenfalls ganz genau hin, denn von Trump lernen heißt siegen lernen. Dass der Deutsche-Post-Chef Frank Appel 2021 für sich und ausnahmslos alle Behördenmitarbeiter ein Sabbatjahr beantragt hat, bleibt vorerst nur ein Gerücht.

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