Kultur

War was? Der satirische Wochenrückblick vom 5.9.2020

War was? Die Zett.-Redaktion präsentiert Nachrichten der zurückliegenden Woche. Foto: AB

Veröffentlicht am 5. September, 2020 | 13:46


von Tom Teuffel

War was? Die ZETT.-Redaktion hat die Medienlandschaft der letzten Woche bereist und kommentiert [direkt verlinkte] Nachrichten im Überblick.

 

Schiffe verspotten

Na, fahren Sie gern zu Kreuz und können gerade nicht? Wozu stillliegende Kreuzfahrtschiffe gut sind, hat der „Spiegel“ erkundet und verrät uns am Freitag, dass vor der Küste des südenglischen Örtchens Mudeford fast mehr Kreuzfahrtschiffe als Dieselautos auf dem Gelände der Volkswagen-Werft parken. Denn Ankern ist billiger als Anlegen, und so dürfen diese zukünftigen künstlichen Riffe von Touristen in Nussschalen bestaunt werden.

Clevere Einheimische bieten demnach Kreuzfährtchen zu stillliegenden Kreuzfahrtschiffen an, inklusive Captain’s Talk und finalem Landausflug. Und wenn Sie noch wissen wollen, welche Rolle in diesem Zusammenhang eine „fast zwei Meter lange Sperrholzhand“ spielt, dann müssen Sie schon selbst zum Spiegel-Text rausrudern und nachschauen.

 

Sex ohne Tamtam

Zu Sex mit Abstand und Maske rät Kanadas oberste Medizinerin Theresa Tam. Das schrieb die „Stuttgarter Zeitung“ am Donnerstag. Von Anstand und Kondom ist in dem Bericht nicht die Rede. Interessant erscheint, dass die StuZ in diesem Zusammenhang in ihrer Überschrift von „rigorosen Sex-Ideen“ spricht. Wobei Frau Tam auch eine rigorose Sex-Idee ganz ohne Tamtam oder Maske empfiehlt: „Die sexuelle Aktivität mit dem niedrigsten Risiko ist jene, an der nur Sie alleine beteiligt sind.“ PS: Tamtam ist ein ostasiatischer Metallgong.

 

Dosengeschichten

Es gibt Geschäftsideen, die lassen einen nur staunen. So berichtete „Spiegel Online“ am vergangenen Dienstag über den Philosophen und Meditationscoach Ithar Adel, der seine für eine Meditationsapp geschriebenen Vorlesegeschichten zum Einschlafen jetzt zusätzlich auch noch als Buch versilbert – Kompliment! Dieses vorsätzlich todlangweilige Buch kann man also kaufen und dann zum Einschlafen lesen. In den Geschichten ist alles vollkommen sorgenfrei, und es passiert im Wesentlichen nichts.

Man solle das Buch mit seinen zehn Geschichten nicht am Stück, sondern in Dosen lesen, rät der Autor. Andernfalls wirke die Welt sonst „überperfekt und kitschig“. Und wer nach einer Geschichte noch nicht eingeschlafen sei, möge deren Inhaltsleere nochmals ausführlich rekapitulieren, das könne helfen. Vielleicht veröffentlicht der Autor demnächst einen 1.800 Seiten starken Folianten mit weißen Seiten, auf denen allenfalls das Wort „Schäfchen“ und unten die Seitenzahl steht?

 

Sturm auf das Wasserglas

Oh mein Gott – unser Land am Rande des Abgrunds: Rund 400 schwer unbewaffnete Demonstranten hatten Absperrgitter „überrannt“ und sich lautstark vor dem Besuchereingang des Bundestags aufgebaut. Drei mutige Polizisten verhinderten mit Pfefferspray, dass das hohe Glashaus verscherbelt wurde. Schüsse fielen zum Glück keine, Panzer mussten nicht aufrollen. Die Polizisten wurden postwendend vom Bundespräsidenten empfangen, wie die „Saarbrücker Zeitung“ am Montag berichtete.

Fälschlich ist im Bericht vom „Besetzen der Treppe“ die Rede, doch war es wohl er ein Bestehen der Treppe, wie Fernsehbilder zeigten. Den Sturmtrupp losgejagt hatte dem Vernehmen nach eine verwirrte Heilpraktikerin aus der Eifel. Regierungssprecher Steffen Seibert gab realitätsnah zu Protokoll, Antidemokraten hätten versucht, „sich auf den Stufen unseres demokratischen Parlaments breitzumachen“. Aber heißt nicht gerade breit sein frei sein?

Und gilt das nicht auch für einen Sturm im Wasserglas? Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth hielt immerhin fest: „Wir sind kein Hochsicherheitstrakt.“ Stimmt, die Abgeordneten haben erstaunlich oft Freigang. Wir lernen: Kirchen im Dorf zu lassen ist nicht zeitgemäß. Gut Panik gemacht ist halb Schlimmeres vereifelt.

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