Bücher

Große, kleine Welt: Drei Abenteuerromane

3 x fantasievolles Lesevergnügen für die kalten Tage.

Veröffentlicht am 11. Februar, 2021 | 18:48


von Arne Bicker

Der Galiani-Verlag in Berlin veröffentlicht heute drei neue Romane, die förmlich am Lesegaumen kitzeln. Wir stellen Ihnen die drei Bücher kurz vor unter Verweis auf die kalten Lockdowntage und den telefonischen Bestellservice der lokalen Freiburger Buchhandlungen. Bestellte Bücher können hier in der Regel im Rahmen eines Schneespaziergangs abgeholt oder auch als Botenlieferung daheim in Empfang genommen werden.

Linus Reichlins Roman „Keiths Probleme im Jenseits“ haben wir Ihnen bereits in unserer Dezember-Printausgabe (S. 29) vorgestellt. Nun präsentiert der 63-jährige Berliner Autor seinen neuen Titel „Señor Herreras blühende Intuition“: Der Protagonist des Romans, ein ausgebremster Schriftsteller, begibt sich in die Einsamkeit eines andalusischen Schweigeklosters bei Málaga. Die damit einhergehende Langeweile, so sein Kalkül, sollen einen Kreativitäts- und Schreibschub auslösen – doch dann kommt dieser Schub aus gänzlich unerwarteter Richtung – vom Klosterkoch und vormaligen Matador Señor Herrera.

Denn Herrera lässt einfach keine Langeweile aufkommen. Schon am ersten Abend macht er den Schriftsteller auf allerlei Ungereimtheiten im Kloster aufmerksam. Eine der Nonnen – Schwester Ana Maria – könnte ein Doppelleben führen. Eine verwirrende Angelegenheit, dreht sich doch auch der geplante Roman des Autors um eine junge Frau, die sich als Nonne getarnt vor der Mafia in dem Kloster Santa Maria de Bonval versteckt. Es entwickelt sich eine geistreiche, humorvolle und vor allem schräge Geschichte voller überraschender Wendungen.

Linus Reichlin: Señor Herreras blühende Intuition. Galiani, 272 Seiten, 20 Euro.

Hannes Stein, geboren 1965 in München, ist wortwörtlich worüber er schreibt: Ein Weltreporter, Korrespondent für die „Welt“ in New York. Ähnlich wie der berüchtigte, frühere Spiegel-Redakteur Claas Relotius lässt Stein gern seiner blühenden Fantasie freien Lauf – nur anders als Relotius tut er dies dort, wo dies nicht nur legal möglich sondern nachgerade auch erwünscht ist: In einem Roman. Bodo von Unruh heißt Steins Weltreporter. Und der stolpert gemeinsam mit seinem Fotografen Jaques Lacoste für das Magazin „Holzmann’s Weltspiegel“ von einem haarsträubenden Abenteuer ins nächste.

Befeuert von der frisch erblühenden Liebe der taxifahrenden Philosophin Julia Bacharach schildert der umtriebige Unruh seine Reporterabenteuer, auf dass sich ein anderer Adliger – der 1797 verstorbene Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen – im Grabe rumdreht. Es geht um schwerkriminelle Eidgenossen in Afghanistan, um einen völlig durchgeknallten Koch in einem chinesischen Geheimrestaurant oder eine Stadt Utopia, die diesen namen mehr als verdient, in sibirischer Ferne – unter anderem. Ein hanebüchenes Lesevergnügen, ergänzt durch bildlose Bildunterschriften als erzählerisches Stilmittel.

Hannes Stein: Der Weltreporter – Ein Roman in zwölf Reisen. Galiani, 352 Seiten, 22 Euro.

Und hier kommt Björn Stephan, geboren 1987 in Schwerin, der von München aus als Reporter für die ZEIT und das SZ-Magazin schreibt. „Nur vom Weltraum aus ist die Erde blau“ ist sein literarisches Debüt – auch Stephan treibt das Fantastische um. Sein Roman versprüht einen Zauber, der magnetisierend von seinen drei Helden ausgeht: Sascha, ein schüchterner Junge, der einzigartige Wörter sammelt, Juri, ein geheimnisvolles Mädchen mit Spezialkenntnissen in Astronomie, und Sonny, der wie besessen Klavier spielt.

Schauplatz ist die Plattenbausiedlung Klein Krebslow in Mecklenburg. Der Roman spielt in einer rauen Welt, in der die Erwachsenen die Orientierung verloren haben, während die jungen Menschen gerade ins Leben aufbrechen und sich in harten Kämpfen ihren Weg freiräumen müssen. Mit Fantasie und Humor erzählt Björn Stephan einfühlsam von den Fliehkräften des Heranwachsens in der Provinz einer alten, neuen Republik.

Björn Stephan – Nur vom Weltraum aus ist die Erde blau. Galiani, 352 Seiten, 22 Euro.

 

 

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