Kultur

Wie man eine Laterne erklettert

Shiva Grings und sein Buch "This Is What We Do For A Living". Foto: Arne Bicker

Veröffentlicht am 3. Juni, 2020 | 11:41


von Arne Bicker

Es geht los mit einer Szene, in der Shiva Grings den Riesenaffen King Kong verkörpert und mit einer blonden Barbiepuppe in der Hand in ein paar Metern Höhe an einem Laternenmast im polnischen Breslau hängt, während ihn Zuschauer mit Papierflugzeugen bewerfen. Dann kommt die Polizei.

Wer wissen will wie’s weitergeht, dem sei die Lektüre des Büchleins „Shiva Grings – This Is What We Do For A Living“ ans Herz gelegt. Der 42-jährige Straßenkünstler aus Galway an der Westküste Irlands erzählt darin höchst unterhaltsam wie man Straßenkünstler wird und wie man damit seinen Lebensunterhalt bestreitet.

„Man hat entscheidende Vorteile gegenüber dem großen Subventionstheater“, erzählt der ausgebildete Schauspieler Grings. „Man ist nicht auf Unterstützung durch den Staat angewiesen und man hat den besten aller Regisseure: Das Publikum. Die zeigen einem gleich, ob du etwas gut machst oder nicht.“ Dabei lebt Shiva Grings keinesfalls nur von der Hand in den Mund: „In Deutschland denken viele Menschen, Straßenkünstler zu sein, hätte etwas mit Betteln zu tun.“

Dass dies nicht so ist, dafür sorgt die beständig wachsende Zahl an Straßenkunst-Festivals. Die größten in Deutschland finden in Rastatt und Görlitz statt. Grings war aber auch schon in Brasilien, Kanada, Neuseeland oder Brasilien: „Nur in Afrika war ich noch nie – vielleicht klappt das ja mal.“

Viele Festivals entlohnen die Straßenkünstler mit einer Gage, übernehmen Fahrtkosten und Unterkunft. Nur in diesem Corona-Jahr ist alles anders. „Für uns Straßenkünstler ist dieses Corona-Ding total besch…“, bringt es Grings auf den Punkt. Die alles entscheidende Sommersaison von Mai bis September, das alle zwei Jahre stattfindende Festival in Rastatt – im Eimer.

Und so muss Shiva Grings in diesem Sommer zum erstan Mal seit vielen Jahren das tun, was für viele Menschen selbstverständlich ist: „Ich bleibe die ganze Zeit in Freiburg, an einem einzigen Platz. Das ist für mich total ungewöhnlich.“ Dafür hat Grings, der Mitglied ist im 2006 gegründeten „Bundesverband Theater im Öffentlichen Raum“, nun immerhin mehr Zeit, die dritte Ausgabe seines 2018 begonnenen Easy-Street-Festivals in Freiburg zu planen. Nach der Zwangspause im Sommer 2020 soll es 2021 weitergehen, an wechselnden Plätzen irgendwo in der Stadt.

Auch sein lange geplantes Buch hat er jetzt endlich auf den Weg gebracht. Seine Fans können nun immerhin das Kopfkino anwerfen und Shiva Grings in den Zeilen seines Buchs auf seinen Abenteuern als Laternen-King-Kong, als Handy-Süchtiger, Bächletaucher oder Clochard beim romantischen Impro-Dinner zu folgen – und nebenbei noch die eigenen englischen Sprachkenntnisse aufzupeppen.

Shiva Grings – This is what we do for a living. Adventures in street theatre” in leicht verständlichem Englisch. Paperback, 250 Seiten, Verlag Books on Demand Norderstedt, 19,99 Euro. E-Book 9,99 Euro.

Zur Webseite von Shiva Grings: www.shivagrings.com

 

 

 

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