Kolumne Zett.

Yoga

von Arne Bicker

Es wird Zeit, dass mal jemand etwas Vernünftiges über Yoga schreibt. Es ist Frühling in Freiburg, und wer fit und gesund sein und alt werden will, der sollte jetzt Yoga machen. Das kann ich nur wärmstens empfehlen. Was ist Yoga? Wenn man zwischen Aquajogging und Bogenschießen und zwischen Meditation und Therapie jeweils eine gerade Linie zieht, dann ist Yoga die Tankstelle an der Kreuzung.

Yoga ist gemeinnützig und ungemein entspannend, gleichzeitig strafft es die Haut und den Arsch und führt zu seelisch-moralischer Ausgeglichenheit. Dass die Menschen sich heute öfter und bösartiger anraunzen als in der Voryogazeit, liegt nicht am Yoga, sondern am Internet und an der AfD. Erfunden wurde Yoga vom römischen Philosophen Pilates (4. Jhdt. v. Ch.). Anders, als viele denken, wurde das moderne Epiliergerät nicht nach ihm benannt, sondern nach Epikur (3. Jhdt. v. Ch.).

In Freiburg gibt es mehr Yogalehrerinnen und Yogalehrer als Leute, die für Yoga eine Anleitung brauchen. Diese große Zahl an Yogalehrern spiegelt eine nicht zwingend Sinn machende Tendenz wider. Es gibt auch mehr Buchautoren als Leser, mehr Bands als Konzertbesucher und mehr Fußballtrainer als Mannschaften. Beruhigend ist immerhin, dass es bis auf weiteres noch deutlich weniger Staatsoberhäupter als Bürger und weniger Köche als Mahlzeiten gibt.

Weil es so viele Yogalehrer gibt, bilden diese sich gegenseitig fort, jedenfalls so lange, bis ein Yogaoberguru vorbeikommt, der eine Yogasession nur für Yogalehrer macht. Hier gilt das olympische Motto, dabei sein ist alles. Die Yogalehrer erhalten für ihre verschiedenen Qualifizierungsgrade keine farbigen Gürtel, weil das meist nicht zu den Leggins passt. Den Grad ihres Könnens erkennt man daran, wie viele Millimeter sie im Schneidersitz über ihre Yogamatte schweben. Im Yogazentrum sagen sie so Sachen wie „So, jetzt den rechten Fuß hinter das linke Ohr, aber ganz entspannt und dabei tief in die Knie atmen.“ Außerhalb ihres Yogazentrum sagen sie „Du solltest das unbedingt mal ausprobieren.“

In ihrer Freizeit spielen Yogalehrer Volleyball oder unternehmen Reisen ins Himalayagebiet. Sie sind Vegetarier mit Schwerpunkt auf Jasminreis mit gedünsteten Kürbisstücken und Kombuchatee und ruhen in sich. Sie regen sich noch nicht mal dann auf, wenn sie von Leuten wie mir Fakten wie die zuvor beschriebenen zu hören bekommen, obwohl ich mir das alles ausgedacht habe, weil ich noch nie in einem Yogakurs war und den Begriff noch nicht mal gegoogelt habe.

Einmal vor vielen Jahren habe ich ein Aerobictraining ausprobiert, aber das gilt, glaube ich, nicht. Es war trotzdem wahnsinnig anstrengend.

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