Mediatheken

Youtuber kritisiert Regierung viral

Szenenbild aus Rezos Youtube-Video. Screenshot: Youtube

Veröffentlicht am 22. Mai, 2019 | 14:16


von Arne Bicker

Die Bundesregierung sieht sich heftiger Kritik ausgesetzt – von einem rhetorisch begabten Youtuber aus Wuppertal. Der 26-jährige ‚Rezo‘ (seinen bürgerlichen Namen nennt er nicht) kritisiert in einem 55 Minuten langen Video in einer Mischung aus Faktenanalyse und Polemik „die lebensverachtende Politik“ der Regierungsparteien und lässt in Ausdrucksstärke, Griffigkeit und Verständlichkeit seiner Argumentation klassische Medien ganz schön alt aussehen.

Das Video des jungen Mannes, der mit seiner markanten Frisur (hier in Form einer blauen Haartolle) an den Digitalisierungs- und Gesellschaftsblogger Sascha Lobo erinnert,

https://www.youtube.com/watch?v=4Y1lZQsyuSQ

wurde bis Mittwochnachmittag über 3,4 Millionen mal aufgerufen. Das scheint ein großes Interesse speziell junger Menschen an einer Hinterfragung politischer Prozesse und Handelnder zu belegen, sofern diese in für sie verständlicher Sprache dargelegt wird.

Auch wenn der junge Mann vorerst anonym bleibt, auch wenn seine sehr polemische Kritik einseitig und nicht immer ganz logisch und folgerichtig ist, auch wenn die Klickzahlen gefaket wären und russische, grüne oder linke Auftraggeber hinter seiner Arbeit stünden (letzteres sind lediglich Worst-Case-Fantasien des Verfassers dieses Artikels), so liegt hier doch ein viele – vor allem junge – Menschen und Wähler ansprechendes Video in provozierender Empört-Euch-Manier vor, das eine schonungslose Detailkritik in sich trägt, die Meinungen weckt und/oder widerspiegelt.

Man sollte sich ernsthaft damit befassen.

Der Youtuber geht in – für dieses Medium und seine bisherigen Thematiken -ungewöhnlicher wie eindringlicher Weise große Themen wie Armut, Klimawandel, Sozial- und Drogenpolitik sowie Krieg an und analysiert und kommentiert die Regierungspolitik in den genannten Belangen erstaunlich hart. Hierzu liefert er in einem Googledocs-Online-Dokumkent viele Beleglinks mit, die der Überprüfung der genannten Fakten dienen sollen.

Der Titel seines Videos „Die Zerstörung der CDU“ scheint insofern unpassend gewählt, als er die gesamte Regierungskoalition und Teile der Opposition, speziell die AfD, heftig kritisiert und die Vokabel „Zerstörung“ offensichtlich aus dem Umstand ableitet, dass er der CDU-geführten Bundesregierung vorwirft, das Leben künftiger Generationen speziell in klimapolitischer Hinsicht „zu zerstören“. Eine faktische Zerstörung der CDU fordert ‚Rezo‘ trotz der Überschrift inhaltlich nicht.

Das Video macht sich in seinem klimapolitischen Teil zu einem Fürsprecher der Fridays-For-Future-Demonstrationen. Die geäußerte Kritik ist insgesamt derart massiv, in Teilen berechtigt, in anderen einseitig-überzogen, und die Verbreitung des Videos derart großflächig, dass bereits erste Bundespolitiker mit abwehrenden Statements auf den Plan traten.

Am Ende seiner Ausführungen ruft der Youtube-Influencer dazu auf, an der Europawahl teilzunehmen, und erklärt zugleich, dass er nicht wisse, welcher Partei er seine Stimme geben solle – die Regierungsparteien und die AfD schlösse er indes aus. Es ist anzunehmen, dass von diesem ‚Rezo‘ und seiner subjektiv ausformulierten Alternativlosigkeit in den öffentlichen Diskussionen der kommenden Tage noch mehr zu hören sein wird.

Links zu Reaktionen:

Der SPIEGEL

Hannoversche Allgemeine Zeitung

Rheinische Post

Der Tagesspiegel

Frankfurter Allgemeiene

Am Beliebtesten

Nach oben
X