Sonstiges

Zwei Millionen begehrte Zapfen

"Vorsicht Zapfenernte!" Nur gewiefte Kletterer schaffen es, Douglasienzapfen in schwindelnder Höhe zu pflücken. Foto: Stadt Freiburg / Klaus Echle

Veröffentlicht am 31. August, 2020 | 23:48


Zapfenpflücker haben im Freiburger Stadtwald eine Rekordernte von zwei 2 Millionen Douglasienzapfen im Wert von 54.000 Euro eingesammelt. Die Zapfen der Freiburger Douglasien sind als Saatgut wegen guter Wuchsform der Bäume in ganz Deutschland begehrt.

Die Baumkletterer, die im Freiburger Bergwald in den Kronen der mächtigen Douglasien unterwegs sind, nächtigen meist gleich vor Ort in ihren ausgebauten Transportern, direkt neben prallvollen, weißen Zapfensäcken. Die Arbeit ist anstrengend und gefährliche. Forstrevierleiter Klaus Echle freut sich deshalb besonders darüber, dass es keine Unfälle bei den freiberuflich tätigen Zapfenpflückern gab.

Insgesamt wurden an mehreren hundert Bäumen rund 49 Tonnen Zapfen geerntet. Das Forstamt freut sich über den Erlös von 54.000 Euro aus dem Verkauf der Zapfen an Forstsamenhändler und Forstbaumschulen. Die Freiburger Erntemenge ist bedeutend – sie entspricht 80 Prozent aller in Baden-Württemberg geernteten Douglasienzapfen.

Die geernteten grünen Zapfen werden nach der Ernte an Forstsamen-Darren oder Klengen geliefert, von denen es in Deutschland nur acht gibt. In einer Klenge werden in einem aufwändigen Prozess die Zapfen getrocknet, die Samen herausgelöst und von den Flügelchen getrennt. Dies erledigt neben der Darre (einem Ofen zum Trocknen der Samen) ein großes Schüttelsieb.

Das Land Baden-Württemberg betreibt in Nagold eine eigene Staatsklenge. In Kühlhäusern kann das Saatgut aus Freiburg dann bis zu 25 Jahre lang eingelagert werden, bis es ein Käufer bei der Klenge bestellt und in seiner Forstbaumschule aussäht. Dabei können aus einem Kilo Saatgut zum Preis von bis zu 1.500 Euro über 35.000 Sämlinge gezogen werden.

Auf Grund der nordamerikanischen Herkunft der Freiburg-Douglasien, die sich in schlankem, geradem Wuchs und feinen Ästen ausdrückt, ist das Saatgut aus Freiburgs Wäldern sehr begehrt. Der höchste Baum Deutschlands auf dem Illenberg über Günterstal ist eine Douglasie, die 67 Meter hoch und mit ihren gut hundert Jahren noch relativ jung ist; der Red Creek Tree, ein Verwandter gleicher Art in Port Renfrew auf Vancouver Island (Kanada), ist heute 74 Meter hoch und stammt ungefähr aus dem Jahr 1.000 n. Chr. In Deutschland werden Douglasien seit 125 Jahren forstlich angebaut – sie scheinen sich hier sehr wohl zu fühlen.

 

Am Beliebtesten

Nach oben
X